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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-10-01 · 10 (10.1901) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
10 (10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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als bedeutender Arzt erwähnt. Der genuesische Kenegat Menasio, der als Page den Sultan Bajesid bediente, wollte wissen, dass der letztere auf Befehl des Sohnes-Thronfolgers am 26. Mai 1512 von einem jüdischen Arzte vergiftet worden wäre. Allein es existiert kein einziger Beweis für diese Behauptung, und Hammer bemerkt, dass das Schweigen der gleichzeitigen venezianischen Gesandtschaftsberichte der Ansicht des Genuesen widerspreche. Von 1570 bis 1600, also durch volle drei Jahrzehnte, spielte in Constantinopel nicht bloss auf medicinischem, sondern auch auf politischem Gebiete die wichtigste Bolle der Arzt des grossen Grossveziers Mohamed Sokolli, der deutsche Jude Nathan Salomon Bschinasi. Ueber dessen wissenschaftliche Fähigkeit und Thätigkeit wissen wir wenig. Dagegen berichten die zeitgenössischen osmanischen und fränkischen Historiker und Chronisten Ausführliches über Eschinasis Einfluss in politischen und diplomatischen Dingen. Da der Doge von Venedig sich der in letzterer Stadt lebenden und studierenden Söhne des Arztes angenommen hatte, dankte dieser dafür, indem er nach Cyperns Eroberung durch die Türken den Venezianern Soranzo und Giovanni Correro die Friedensunterhandlungen mit dem Sultanshofe erleichterte. Eschinasi wurde auch nach Venedig geschickt und war dort einer der beiden osmanischen Bevollmächtigten bei der am 6. Juli 1574 stattgehabten Friedensunterzeichnung. Seither stand er in Stambul stets im Vordergrunde, wenn es politische Angelegenheiten mit dem Auslande zu ordnen gab. Noch 1595, anderthalb Jahrzehnte nach der Ermordung seines Göiuiers, des Grossveziers Mohamed Sokolli, war der Einfluss Eschinasis am Sultanshofe so gross, dass er dem in Ungnade gefallenen Ferhad Pascha, ehemaligem Oberstallmeister und zweimaligem Grossvezier, eine handschriftliche Bürgschaft des Sultans für Freiheit und Leben verschaffte. Er bekam zum Danke hiefür von Ferhad einen mit Juwelen reich besetzten Dolch. Eschinasi *war, bevor er nach der Türkei kam, Chefarzt am Hofe des polnischen Königs Sigismund August in Krakau und genoss bei dem polnischen Adel ein so grosses Ansehen, dass er noch viele Jahre später bei der Königswahl in Polen, 1573, welche bekanntlich auf den französischen Prinzen Heinrich von Anjou fiel, starken Einfluss hatte und an den neuen Monarchen schreiben konnte: „Ich habe Ew. Majestät bei der Wahl zum König von Polen grosse Dienste geleistet." Seine medicinische Kunst schien sich nach seinem Tode auf seine Frau vererbt zu haben, die an des Sultans Mohamed III. Krankenlager berufen wurde, und den Herrscher durch ihre mit eigener Hand zubereiteten Medicamente von den Blattern heilte. Reicher Lohn wurde ihr dafür zutheil. Um dieselbe Zeit wie Eschinasi lebte in der Türkei auch der jüdische Arzt Samuel Schulam, der aus Spanien eingewandert war und unter dem Schutze der im Sserai und bei der Pforte einflussreichen Jüdin Esther Kiera mehrere Geschichtswerke veröffentlichte. Ein anderer jüdischer Arzt, namens Benvenisti, erfreute sich damals der besonderen Gunst des Grossveziers Siavusch Pascha und wurde auch zu diplomatischen Geschäften verwendet. Eine traurige Berühmtheit endlich erlangte der jüdische Hofarzt Daud durch seine Intriguen gegen den Juden Don Josef Nassi, den der Sultan zum Herzog von Naxos gemacht hatte und

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