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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-10-01 · 10 (10.1901) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
10 (10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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— 24 — sogar zum Könige von Cypern erheben wollte; Daud, der anfangs in Diensten des Don Josef Nassi gestanden hatte, verrieth später seinen Gönner und wurde zur Strafe dafür vom Sultan nach Ehodos verbannt und von allen türkischen Kabbinatscollegien in Acht gethan. Hundert Jahre später lebten am Hofe Achmeds III. zwei berühmte jüdische Aerzte. Der eine, ein portugiesischer Jude namens Fonseca, ward im Jahre 1709 so einflussreich, dass er — wie Voltaire in seiner Geschichte Karls XII. erzählt — dem Abgesandten des Schwedenkönigs nicht nur das Ohr des Sultans, sondern auch das Herz der allmächtigen Sultanin-Mutter oder Walide verschaffte, so dass diese ihren Sohn fragte: „Wann willst Du meinem Löwen Karl helfen, den Czar aufzufressen?" . . . Der Einf luss Fonsecas war ein dauernder und wuchs von Jahr zu Jahr. Als Graf Wirmond im Jahre 1720 Botschafter in Constantinopel war, stand Fonseca beim Sultan in so hohem Ansehen, dass alle Gesandten Europas um seine Gunst buhlten. Fonseca war zumeist der Canal für die Franzosen, während Graf Wirmond sich des anderen jüdischen Leibarztes, Connigliano, bediente, um seine Pläne beim Sultan und beim Grossvezier zu fördern. lieber Connigliano hat der Budapester Gelehrte David Kaufmann eine interessante Schrift veröffentlicht. Connigliano war es auch, welcher einen Briefwechsel mit den ungarischen Bebellen unterhielt und eine Aussöhnung zwischen ihnen und dem Grafen Wirmond herbeizuführen trachtete. Abermals hundert Jahre später war bei Machmud IL, dem Janitscharenvertilger und Schöpfer der modernen osmanischen Armee, ein jüdischer Zahnarzt, Abraham Biwas, in hoher Gunst. Elias Pascha, Leibarzt Abdul Hamids IL, erzählte mir von Biwas folgende Anekdote: Einst hatte der Sultan heftige Zahnschmerzen; er liess den Biwas kommen und klagte ihm die Leiden, die ihn quälten. Der Sultan befand sich im Garten neben dem Bach. Der Zahnarzt liess sich den Zahn zeigen, während er sein Instrument verborgen in der Handhöhle hielt, da sich der tapfere Janitscharenvertilger vor der kleinen Zahnoperation fürchtete wie ein Kind. Prüfen und Ausziehen erfolgten gleichzeitig. Hierauf aber sprang Biwas ins Wasser, mit lauter Stimme jammernd: „Kettet mich", als ob er zufällig hineingefallen wäre. Der Sultan, von Mitleid für seinen Günstling erfüllt, vergass den Schrecken und Schmerz, die ihm durch das Ausreissen des Zahnes verursacht worden waren, eilte um Hilfe, Hess den Biwas aus dem Wasser ziehen, neu bekleiden und für seine ärztliche Geschicklichkeit wie für seine Geistesgegenwart reich belohnen .... Um die Liste zu vervollständigen, erwähne ich -noch kurz: den berühmten Doctor Sigmund Spitzer, welcher als Leibarzt und politischer Eathgeber beim Sultan Abdul Medschid in höchstem Ansehen stand; ferner Omer Pascha, einen Juden aus Ungarn, der zum Islam übertrat, ein Günstling des Sultans Abdul Asis wurde und noch in den letzten Jahren der Chefarzt im Harem des jetzigen Sultans blieb; endlich Elias Pascha, der bei Abdul Hamid IL als Augenarzt fungiert und eine Zeitlang einer der meist beneideten Günstlinge war. Bernhard Stern.

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