Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 — Dschenin war ein grosser Gelehrter und Schriftsteller, der sich besonders der reinsten Sprache befleissigte. Seinen Kuhm begründete die Kettung eines Scheintodten, den er als solchen erkannte, als er auf der Bahre vorbeigetragen wurde; er erhielt den Beinamen „der Fürst". Ein anderer Nathaniel, mit dem vollen arabischen Namen: Ebulberekat Hebetallah ben Ali ben Melka el Beldi, und mit dem Beinamen „der Einzige seiner Zeit", lebte um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Er schrieb einen Commentar zu dem Buche „Koheleth", welches noch jetzt als ein Meisterstück der hebräischen Sprache und Philosophie anerkannt ist. Er verfasste ferner ein Werk, betitelt: „Motebir, das Geachtete", worin er Mathemathisch.es, Logisches und Naturhistorisches zusammentrug; Hammer-Purgstall nennt dieses Werk einer der schönsten Bücher, das die ganze Philosophie umfasst. So oft ein Seldschuken-Sultan krank wurde, berief man. zu ihm den Einzigen seiner Zeit aus Bagdad, und er heilte immer und kehrte reich beschenkt heim. Seine Collegen neideten ihm sein Glück, und Ilm Eflah machte auf ihn eine Satire: Unser jüdischer Doctor ist so dumm, Besser wäre es, er wäre stumm, Doch er bellet, wie der Hund am Miste, Hätt' er, ach, verlassen nie die Wüste. Aus Aerger darüber und weil er die ihm zutheil gewordene Verachtung seinem Glauben zuschrieb, wurde er Moslem. Seine Kinder aber folgten ihm nicht, blieben der Religion treu und sagten sich vom Vater los. Vereinsamt, erblindet und taub, starb der berühmte Apostat, im Alter von 80 Jahren. Als Erblindeter hatte er das früher erwähnte Werk „Motebir", sein berühmtestes, dictiert. Auf seinem Grabe wurde ein Denkstein mit dieser Inschrift aufgerichtet: „Dies ist das Grab des Einzigen seiner Zeit, Ebul Berekats des Hebräers". Wie er Arzt wurde, darüber existiert folgende Anekdote: Der berühmte medieinische Lehrer Ebul Hassan Said ben Hebetallah ben El Hosein hatte viele Schüler, wollte aber unter ihnen keinen Juden dulden. Um seine Vorlesungen trotzdem hören zu können, verdingte Ebul Berekat sich als Diener beim Thürhüter des Lehrers und erhielt so einen Platz im Vorsaale des Lehrzimmers, so dass er wenigstens von fern die Collegien zu hören vermochte. Eines Tages, als wissenschaftlicher Streit im Saale hochgieng, erbat der Diener die Erlaubnis, ihn zu schlichten. Lächelnd gewährte der Lehrer die Bitte, wurde aber von der Antwort so überrascht, dass er dem Juden fortan den Collegien im Saale beizuwohnen gestattete. Die Liste der jüdischen Aerzte aus den früheren Jahrhunderten des Islams in Arabien, Persien, Aegypten und Spanien Hesse sich um das hundertfache verlängern, do<?h ist dies nicht der Zweck dieser Skizze. Ich will hier nur noch als Uebergang die merkwürdige Lebensgeschichte des Saad-Addaulla erwähnen, der zu den höchsten Staatswürden am Hofe des persisch-mongolischen Grosschans Argun aufstieg; vom Leibarzte wurde er schliesslich zum allmächtigen Pinanzminister, zum Saad-Addaulla, zur Stütze des Reiches, emporgehoben. Der Herrscher hatte zu ihm solches Vertrauen, dass er ihn nach Gutdünken schalten und walten. Hess. Es war eine wunderbare Fügung der Weltgeschichte, dass im Reiche Hamans, der das jüdische Volk von der Erde hatte ver-