Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-10-01 · 10 (10.1901) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
10 (10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9756662-9602173-9602349--0197-9602368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 19 — als Gesandter des griechischen Statthalters Mokawkas — oder Apokaukos — zum Propheten und brachte, ihm als Geschenke: einen Säbel, genannt Sulfakar, der mit gewirbeltem Bücken; einen Maulesel, namens Duldul; vier ägyptische Sclavinnen. Mohamed gab den Säbel und den Maulesel dem Ali; von den vier Sclavinnen schenkte er eine dem Dichter Hassan, eine dem Ebubekr, eine dem Sobeir; nur die letzte behielt er für sich, sie hiess Marie und wurde die Mutter Ibrahims. Als Sunun solche Freigebigkeit sah, bekehrte er sich zum Islam. Dieser erste Arzt des Islams war also kein geborener Moslem. Auch in den nächsten Jahrhunderten nach Mohamed gab es im Islam fast nur christliche und jüdische Aerzte von Bedeutung. Der arabische Historiker Ghasali klagte deshalb: „Wie manches mohamedanische Dorf hat nur einen einzigen Arzt, und der ist ein Christ oder Jude; und dennoch soll nach den juridischen Grundsätzen das Zeugnis von Christen und Juden selbst in ärztlichen Angelegenheiten nicht als rechtsgiltig betrachtet werden. Trotzdem sehen wir keinen Moslem sich mit der Arzneikunst befassen, sondern alle stürzen sich gierig auf das Eechtsstudium. Ist dies vielleicht aus dem Grunde so, weil man mit der Arzneikunst keine Verwaltung von Pfründen und Xachlassenschaften erreicht? weil man Waisengelder sich nicht aneignen, die Posten eines Kadi oder eines Statthalters nicht gewinnen kann? weil man mit dieser Kunst sich nicht über seinesgleichen erheben, weil man damit seine Feinde nicht niederwerfen kann? Wahrlich, die Wissenschaft ist hin, seit Aftergelehrte ■damit prunken." Die Klage Ghasalis wirkte wohl insofern, als sieh fortan auch die Moslems der Medicin zuwandten. Nichtsdestoweniger behaupteten namentlich die Juden ihre gewaltige Stellung im Eeiche der Medicin des Islams durch die ganze Epoche des Mittelalters. Um das Jahr 767 lebte am Hofe Manssurs der jüdische Arzt Frat ben Schaehnasa. Hammer-Purgstall nennt ihn, in der Literaturgeschichte der Araber, „einen trefflichen Arzt für seine Zeit" und einen Liebling des grossen Gelehrten und Lehrers Tabaduk. Frat ben Schachnasa diente dem Tyrannen El Hadschah ben Jussuf und wrar Gesellschafter des zum Thronerben Manssurs bestimmten Abbassiden Isa ben Musa, der ihn ob seines Verstandes bewunderte und ihn auch in allen politischen Angelegenheiten zurathe zog. Wenige Jahre später wrar in Bassra der syrische Jude Maserdscheweih als Arzt berühmt; in einem auf der Wiener Hofbibliothek befindliehen Manuscripte des arabischen Arztes und Historikers Ibn Ossaibije werden von Maserdscheweih köstliche Anekdoten erzählt. Einer der bekanntesten Augenärzte zu Anfang des X. Jahrhunderts war der Jude Isak Israeli ben Suleiman Ebu Jakub, kurzweg Israili genannt. Er glänzte nicht bloss als Arzt, sondern auch als einer der vorzüglichsten medicinischen Schriftsteller seiner Zeit. Er lebte anfangs in Aegypten. Der Khali Siadet Allah schickte ihm eines Tages 500 Goldstücke und liess ihn um das Jahr 904 nach Cairuan kommen. Durch seine Schlagfertigkeit gewann er noch mehr als durch seine ärztlichen Kenntnisse des Khalifen Gunst. Im Jahre 909 trat er in die Dienste des Khalifen Abaid Allah, der die Fatimiden-Dynastie gründete; unter dem Schutze dieses Herrschers, eines begeisterten Freundes der Wissenschaften, entfaltete Israili eine epochemachende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.