Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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^euilletor). Jüdische Aerzte am Sultanshofe. Ein rundes Hundert beträgt die Zahl der berühmten osmanisehen Hofärzte seit dem fünfhundert]ährigen Bestände des Türkenreiehes in Europa. Unter diesen Hundert nennt die Geschichte zahlreiche Juden. Dass die türkischen Sultane sich so häufig jüdische Leibärzte erwählten, ist nicht verwunderlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, welche bedeutende Eolle jüdische Aerzte schon an den Höfen der arabischen und ägyptischen Khalifen und im moslemischen Spanien gespielt haben. Die Lehrmeister der Wissenschaften waren im Orient bekanntlich die Griechen. Sie brachten den Arabern über x^egypten und Persien die Kenntnisse der gelehrten Heilkunde; sie vermittelten den Völkern des Islams die Bekanntschaft mit den Werken der Aerzte des Alterthums; sie übersetzten in die Sprachen des Morgenlandes die Bücher des Asklepiaden Hippokrates von Kos, des Vaters der Heilkunde, die 5 Bücher „de materia medica" des Pedanios Dioskorides aus Anazarbos in Kilikien, sowie einen Theil der 250 Schriften des Claudius Galenos aus Pergamon, welcher durch ein Jahrtausend und mehr der Musterarzt und Meisterlehrer für Abendland und Morgenland blieb. Unter dem Sassanidenherrscher Chosrew Anoscharwan wurde im V. Jahrhundert in Gondeschapur oder Dschondesabur in Chusistan eine Akademie für griechische Philosophie und Heilkunde gegründet; die letztere erhielt in grossen Krankenanstalten durch praktische L^ebungen Unterstützung. Die Aerzte dieser Akademie waren im Sassanidenreich weit und breit berühmt ob ihrer Geschicklichkeit und ihres Wissens. Mitten im persischen Gebiete, fern allen abendländischen, römischen und byzantinischen Centren, haben die Lehrer und Schüler der Akademie von Gondeschapur durch Jahrhunderte die Schätze ihrer Wissenschaft gehütet und gemehrt. Die Mohamedaner wollten anfangs von der Heilkunde gar nichts wissen. Sadie erzählte im Gülistan: Ein Perserkönig sandte dem Propheten einen Arzt, der fand aber keine Praxis, weil ihm Mohamed sagte: „Die Araber brauchen keine Aerzte, denn sie sind mässig und essen nur, wenn sie hungrig sind." Als berühmte Aerzte verehrt man im Morgenlande neben Lokman dem Weisen, Hippokrates und Gelenos auch die Philosophen Pythagoras und Plato, Sokrates und Aristoteles. Als erster Arzt des Islams und als Patron der moslemischen Aerzte gilt der Kopte Sunun. An ihn knüpft sich folgende Tradition: Sunun kam