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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-10-01 · 10 (10.1901) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
10 (10.1901)
Date
1901-10-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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— 16 — keit der Vorladung verkürzt werden würde. Es bleibt immerhin interessant, dass ein Gerichtsverfahren wegen Unauffindbarkeit eines verantwortlichen Redacteurs unterbrochen werden muss. Wien. (Der „J ude Tugendsa ni'\) Unter diesem Titel berichtete das „Deutsche Volksblatt" am 3. September über mehrere Schandthaten des HernaJser Trödlers Ferdinand Tugendsani, und die Notiz machte sofort die Runde durch alle antisemitischen Blätter des In- und Auslandes. Dieser feine Herr Tugendsam. der Verheiratet ist, soll nämlich ein minderjähriges Mädchen missbraucht, obendrein mit einer schlimmen Krankheit angesteckt haben und dann flüchtig geworden sein. Am folgenden Tage widerrief das „Deutsche Volksblatt" seine Angaben mit der Bemerkung. Herr Tugendsam sei Christ, erfreue sich guter Gesundheit und sei nach kurzem Aufenthalte in Pressburg wieder in Wien eingetroffen. Nachträglich stellte sich heraus, dass der „Jude Tugendsam" ein eifriger Parteigänger der Christlich-Soeialen und sogar christlich-socialer Armenrath in Hernais ist. Ueber die Thatsache der Verführung schweigt die antisemitische Höflichkeit. Prag. (Antisemitische Lügen.) Die Hilsner-Affaire will noch immer nicht zur Ruhe kommen. In den letzten Tagen brachten die „Katol. Listy" und nach ihnen andere Blätter wieder allerhand Mittheilungen über „Hilsner in der Strafanstalt". Xun veröffentlicht das genannte olerical-antisemitische Blatt eine amtliche Berichtigung, in welcher es heisst: „Es ist nicht wahr, dass gleich nach der Einlieferung Hilsners in die Strafanstalt ein Functionär der israel. Cultusgemeinde erschien und mit den leitenden Persönlichkeiten eine längere Unterredung hatte: es ist nicht wahr, dass ein solcher Versuch überhaupt vorgekommen ist. geschweige denn deren mehrere. Wahr ist, dass die Strafanstalts-Direction keinerlei Unterredung mit irgendeinem Functionär der Prager jüdischen Gemeinde gehabt hat und dass Hilsner von niemandem besucht wurde. Wahr ist, dass dem Hilsner leichtere Arbeit angewiesen und dass ihm gestattet wurde, den Samstag zu feiern, allein dies geschah ohne das Einschreiten von irgendeiner Seite, sondern nur darum, weil die körperliche Eignung des genannten Sträflings und dessen persönliche Sicherheit die Zuweisung leichterer Arbeit erfordern und weil jedem Sträfling jüdischen Bekenntnisses die Feier des Samstages gestattet ist. Es ist nicht wahr, dass Hilsner am Samstag rituelle Kost erhalt — er bekommt jene Kost, welche an dem genannten Tage für alle Sträflinge zubereitet wird: es ist nicht wahr, dass Hilsner Begünstigungen geniesst, welche nur Häftlingen und nicht Sträflingen zutheil werden; es ist nicht wahr, dass er von der Reinigung der Zelle befreit ist, welche Arbeit Christen machen müssen. Der Sträfling Leopold Hilsner geniesst keine derartigen Erleichterungen, er ist weder von der Reinigung der Zelle noch von anderen häuslichen Arbeiten befreit, er geniesst keinerlei Vorzug, denn er wird in allem gerade so behandelt wie die anderen Sträflinge in der Strafanstalt Pankratz. Prag, den 3. September 1901. Der amtierende Staatsanwalt-Stellvertreter : Blatny." Pressburg (Wie „R itualmorde" entstehen.) Am 8. September vormittags um halb 11 Ühr spielte der 5y2jährige Sohn Rudolf des Engerauer Einwohners Karl Jung in der Nähe der Holzschachtel- und Fournier- Fabrik Gebrüder Harsch an den dortigen Schott ergruben mit seinem um zwei Jahre älteren Schwesterchen. Ein Mann gieng dort vorüber, sah die Kinder, gieng einige Schritte vorwärts, kehrte dann um und meinte, zu den Kindern gewendet: „Ihr macht da Gugelhupfe, nicht wahr?" Auf die Antwort „Ja" meinte er: „Xun, ich will Euch einen Ofen geben, darin Ihr die Gugelhupfe ausbacken könnt," worauf die Kinder mit ihm liefen. Der zwei Jahre älteren Schwester wollte der Mann nicht gefallen und sie kehrte um, während der Knabe mit ihm gieng. Seitdem wurde der Knabe nicht mehr gesehen. Sofort berichtete der antisemitische „Westungarische Grenzbote'4 mit heuchlerischem Augenverdrehen, dass die Bevölkerung über das Verschwinden des Kindes beunruhigt sei. und dass Vermuthungen laut werden, die frieden ss t ö rend wirken könnten. Die Leiche des Knaben wurde bald darauf in der Pressburger Au gefunden, und es ist zweifellos, dass an dem Kinde ein bestiali-

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