Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — leumdet wurde, er habe das Mädchen vergewaltigen wollen und demselben das Portemonnaie mit dem Inhalte von 10 Gulden entrissen. Schon beim Bezirksgerichte Tulln stellte sich die Unwahrheit dieser Angaben heraus, so dass Hoff er enthaftet, Anna Jaroschawa aber dem Kreisgerichte St. Pölten eingeliefert wurde. Am w25. d. M. hatte sich nun die Jaroschawa vor einem Erkentnissenate des genannten Kreisgerichtes wegen Irreführung der Behörde und Verleumdung zu verantworten. Sie war geständig und wurde zu einem Jahre schweren Kerkers verurtheilt. Auf Grund dieses Urtheils hat nun Emil Ho ff er durch unser •„Rechtschutzbureau11 die Ehrenbeleidigungsklage gegen die „Zeitung für Stadt und Land" angestrengt. Bei der Verhandlung dieser Klage wird vielleicht auch die eigentümliche Rolle zur Sprache koramenr welche die Polizeiorgane in Tulln bei der Verhaftung Hoffers gespielt haben. Jüdische Mädchenhändler." Es ist eine bekannte Thatsaclle, dass die Inhaber öffentlicher Häuser, Kuppler und Zutreiber fast durchwegs Arier sind. Trotzdem spricht die antisemitische Presse nur immer von „jüdischen Mädchenhändlern", und wo arische Kuppler dem Arme des Gesetzes verfallen, werden sie flugs zu Juden gestempelt. Ein classisches Beispiel bietet hierfür eine Notiz, die das „Deutsche Volksblatt" am 23. August unter dem Sensationstitel: „Jüdische Mädchenhändler — Abermals ein verkauftes Christenmädchen" aus Prag brachte. Es wurde dort erzählt, dass die in der Prager Rabbinergasse (!) wohnhafte 17jährige Tochter des Maurers Franz Skalak von einem Handlungsgehilfen namens Ludwig Zita der Kupplerin K r a t o c h w i 1 zugeführt und von dieser für 60 Kronen an die Inhaberin eines Aussiger Lupanars Namens Franziska Petrni verkauft wurde. Das „Deutsche Volksblatt* machte sämmtliche bei dieser schmutzigen Affaire betheiligten Personen zu Juden. Wir haben der Sache nachgeforscht und Folgendes erfahren Ludwig Zita ist der Sohn eines christlichen Vaters und einer jüdischen Mutter, geborenen Popowski. die mit ersterem seinerzeit eine Civilehe eingieng und ihren Sohn — leider! — in die jüdische Matrikel eintragen Hess. Die beiden polizeilich bekannten Kupplerinnen, und zwar die Petfina — nicht wie sie im „Deutschen Volksblatt" genannt wird Petrni — sowie die Kratochwil sind katholischer Confession, und Luwig Zita soll zur Pe t f i n a in intimem Verhältnisse stehen. Qebrigens dürfte auch die angeblich entführte Skalak nicht so harmloser Natur sein, als das antisemitische Blatt glauben machen will, denn sie hätte sich sonst kaum an die polizeilichbekannteKupplerin Kratochwil um einen „Dienstplatz*1 gewendet, die sich überdies noch bei den Eltern des Mädchens nach deren Verhältnissen erkundigte. Es sei noch bemerkt, dass die Prager Rabbinergasse fast ausschliesslich von christlichem Proletariat