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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 Sitz in Frankfurt a. M. begründet. Die dem Fürstenthum Birkenfeld angrenzenden Gebietsteile stehen nicht zurück, in Baden ist gleichfalls eine Organisation in Thätigkeit, ebenso wie in Westfalen, im Grossherzogthum Oldenburg ist, wie ich dieser Tage erfuhr, die amtliche Landesvertietung der Juden den Anregungen der Commission des Genieindebundes gefolgt. Dringend zu wünschen bleibt nur, dass die ostlichen Provinzen Preussens nachfolgen. Dann wird es zu erreichen sein, dass auch der letzte jüdiche Wanderbettler deutscher Abstammung von der Landstrasse verschwindet, da aus ihm ein sich selbt erhaltender fleisiger Arbeiter oder Gewerbetreibender geworden it. Denn wer bei körperlicher Gesundheit sich zu arbeiten weigert, der muss durch Entziehung jeglicher Unterstützung gebessert werden. Umfangreicher und wichtiger noch sind die aus der ausländischen Wanderbettelei erwachsenden Aufgaben. Eine wesentliche Besserung ist zu erreichen durch die vom Gemeindebund angestrebte Begründung von Grenzbureaux an den Einwanderungsstationen. Diese vermögen den kranken Einwanderern zweckdienlichen Rath bezüglich des für ihr Leiden passenden Curortes zu geben, die Auswanderer nach überseeischen Ländern entweder nach dem vom Gemeindebund errichteten Asyl oder auf dem kürzesten Wege nach dem Hafenplatz zu leiten. Das Wichtigste aber ist die Prüfung der einen dauernden Aufenthalt in Deutschland Beabsichtigenden hinsichtlich ihrer Geneigtheit, ihr Brot durch ehrliche Arbeit zu verdienen. Arbeitsgelegenheit ist der beste Prüfstein. Wer sich zu arbeiten weigert, erhält keinen Ausweisschein und wird von den Armenkassen zurückgewiesen. Die gleiche Behandlung erfahren diejenigen, die die Grenzbureaux umgehen. Diejenigen aber, die ihre erklärte Arbeitbereitschaft durch die That bekräftigen, mögen die Leistungen auch noch so ungenügende sein, werden nach der „Jüdischen Arbeitercolonie" geleitet, die der Gemeindebund soeben auf einem ihm vom Herrn Kittergutsbesitzer Ludwig Meyer (Berlin) geschenkten Grundstücke in W'eissensee bei Berlin erbaut. Hier finden sie Gelegenheit, im sichern Schutze eines Hauses, unter voller Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse, ihr Brot selber zu verdienen. Hier können sie sich die allerdings niedrigen Fertigkeiten aneignen, zu denen die primitiven Industrien der „Arbeitercolonie" Gelegenheit geben. Zugleich dient der Aufenthalt dazu, dass die aus dem Osten Kommenden sich den Verhältnissen der westlichen CulturStaaten acclimatisieren, wozu unsere Glaubensgenossen, wie Sie wissen, gute Befähigung besitzen. Sobald sie die „Arbeitercolonie", die einem Krankenhause für sociale Leidende verglichen werden kann, verlassen dürfen, werden sich unsere Arbeitsnachweise ihrer erfolgreich annehmen können. Diejenigen aber, denen der längere Aufenthalt in Deutschland versagt wird, vermögen jenseits des Meeres wohlgerüstet den Kampf ums Dasein mit anständigen Mitteln aufzunehmen. Für die kranken Auswanderer errichtet der Gemeindebund bei der Arbeitscolonie ein Asyl, wo sie Genesung finden können. Gewiss, es bleibt noch viel zu thun. Noch fehlen die Mittel zum Betriebe, soweit die Anstalt sich nicht aus dem Arbeitsertrage selbst erhält. Meine Verehrten, ich weiss, dies wird unsere leichteste Aufgabe sein. Ich weiss es, sobald in nächster Zeit zur Begründung eines Vereins die Aufforderung ergehen wird, der sich den Betrieb der ersten jüdischen Arbeitercolonie in Deutschland zur Aufgabe stellt, werden Sie, die Vertreter der Berliner Wohlfahrtsvereine, die ersten sein, die dem Vereine beitreten, die ihm Anhänger werben. — Das genügt nicht! Im Namen der vereinigten jüdischen Gemeinde bitte ich Sie um Grösseres. Schenken Sie dem Unternehmen Ihre Mitwirkung. Helfen Sie uns mit Ihrem erfahrenen Rath, helfen Sie uns durch Arbeitszuweis, helfen Sie uns durch Ihre Aufsicht! Bei dem Werke, das der ganzen deutschen Judenheit gewidmet, müssen die Mitglieder der Berliner Gemeinde vorangehen, erblendete Anhänger der „guten alten Zeit", die bei diesen Kurzsichtigen

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