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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 dorn die von guter Organiation zeugenden Kenntnisse der Adressen der für Hausbettelei zugänglichen Gemeindemitglieder. Was thun die deutschen Juden zur Tilgung solcher Missstände? Nun, Geld wenden sie genug auf, aber wenig wird erreicht. Vielerorten ist noch die alte Hausbettelei im Schwange, wie sie es vor 200 Jahren war. Anderweits zeitigte die Scham vor den Andersgläubigen, die an den zu ungelegener Zeit in den Wohnungen und Geschäftslocalen auftauchenden fremdartigen Gestalten Anstoss nahm, einen Fortschritt. Man begründete Fremdencassen, überlässt deren Vorstehern die Controle über die Fremden, und sucht nun, indem man sie bald durch reichliche Gabe von der Hausbettelei zurückhalten will, bald, und das mit besserem Erfolge, indem man durch beabsichtigte Kargheit die Gemeinde bei den Bettlern in erwünschten Verruf bringt, die lästigen Besucher abzuschieben. Das ist aber eine sociale Cur ä la Dr. Eisenbart, das ist eine Bankerotterklärung unseres so leistungsfähigen Gemiluth Chessed, die unserer wirtschaftlichen Einsicht und unserem wohlbegründeten Rufe der Humanität keine Ehre macht. Solche Missstände mussten die Aufmerksamkeit des Gemeindeblindes auf sich lenken und schon in der ersten Zeit nach seiner Begründung vor 30 Jahren hat er Vorschläge zur Verbesserung des bisherigen Systems hinsichtlich einer besseren Organisation durch Schaffung von Armenverbänden gemacht. Solche sind denn auch in Süddeutschland und in Westfalen begründet worden und wirken seitdem segensreich. Dagegen hat sich das an und für sich so vernünftige System der Schaffung einer Centralcasse an dem Hauptorte kleiner Armenverbände vielfach nicht behaupten können. Die zur Beisteuer verpflichteten Gemeinden sahen sich mit Vergnügen von dem Drucke des persönlichen Erscheinens der Bettler befreit und Hessen den Vorort im Stiche. Der aber bildete infolge seiner grossen Gaben einen Sammelpunkt für jlie Bettler und konnte auf die Dauer die Belastung nicht vertragen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der diese betrübende Sachlage nie aus dem Auge verlor, hat sich auch ihr in neuester Zeit*wieder zugewandt. Er verhandelt eifrig und saehgemäss darüber mit den provinziellen Institutionen und deren Leitern. Allerdings hat er mit dem missverstandenen „jüdischen Herzen" zu kämpfen, das selbst den Unwürdigen und Bedürftigen nicht ohne Gabe von der Hausthür weisen, geschweige denn den wirklich Armen und Kranken lediglich an das Wohlthätigkeitsbureau verweisen will. Es wird noch lange währen, bis wir dem jüdischen Publicum klar gemacht haben werden, wie viel für bessere Zwecke erspart wird, wenn die Unterstützung der Armen an Ort und Stelle geschieht, wie inhuman und zugleich wie kostspielig es ist, kranke, gebrechliche Leute von Ort zu Ort weisen zu lassen, damit sie an jedem Platze eine Mahlzeit einnehmen, eine ungenügende Nachtruhe in der Herberge gemessen können. Da ist es doch zweckentsprechender, wenn nach dem Muster der bereits bestehenden Armenbezirke sich die Gemeindeverbände auch zu Armenbezirken organisieren und die sesshaften Armen an ihrem W^ohnsitz, so weit dieser und seine zu vereinigenden Wohlthätigkeitskörperschaften es nicht vermögen, unterstützen. Es gibt aber auch genug gesunder Armer, denen es entweder an Arbeitsgelegenheit oder an einem kleinen Capital zum selbständigen Betriebe eines Erwerbes fehlt. Den ersteren ist durch jüdische Arbeitsnachweise, den letzteren durch Gewährung eines Darlehens dieGelegenheit zur Selbsthilfe zu bieten. Uebrigens sollen wir dabei keineswegs auf unseren Anspruch auf communale Beihilfe, wie bisher, verzichten. Bereits sind auf Anregung des Gemeindebundes verschiedene neue Arbeits-Nachweisbureaux entstanden, von denen wir reichen Segen erwarten. Desgleichen hat sich der süddeutsche Armenverband nach den von ihm angenommenen Grundsätzen neu organisiert; für den Südwesten Deutschlands hat sich gleichfalls ein vielversprechender Armenverband mit dem

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