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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 die Unterbringung anderer der Fürsorge-Erziehung überantworteter jüdischer Kinder beiderlei Geschlechtes hat er zu seiner Aufgabe gemacht. So wird der Gemeindebund mit der ihm bereitwillig in Aussicht gestellten Mitwirkung der staatlichen Autorität einen wichtigen Beitrag liefern können, dass in Zukunft das von deutschen Juden gestellte Contingent zur Verwahrlosung und Verbrechen eine weitere Minderung erfährt. Meine geehrten Zuhörer! Sie werden aus meiner bisherigen Darstellung ein im ganzen vorteilhaftes Bild von dem derzeitigen Stande der jüdischen Wohlthätigkeitspflege in Deutschland gewonnen haben. Vielfach wird durch richtige Anwendung der auf Fürsorge und Selbsthilfe begründeten Methoden recht Respectables geleistet, was sich auch in dem weiteren Rahmen der allgemeinen modernen Armenpflege mit Ehren sehen lassen kann. Wie steht es, so fragen wir, indem wir uns dem Schlüsse unserer Betrachtung zuwenden, um jenen Theil der Wohlthätigkeitspflege, der uns bei unserem geschichtlichen Ueberblick wiederholentlich beschäftigt hat? Wie steht es um die Wanderbettelei? Wenn unsere Wohlthätigkeitspflege auf der Höhe stände, auf der wir sie so gern erblicken würden, müssten wir antworten können: Es gibt bei den Juden keine Wanderbettelei. Leider gibt, wie Sie alle wissen, die Wirklichkeit eine ganz andere Antwort. Kein Theil unseres Armenwesens ist so rückständig wie dieser. Von einigen Ansätzen zu einer besseren Gestaltung der Dinge, die wir noch erörtern wollen, sind wir wenig über den Standpunkt des späten Mittelalters fortgekommen. Allerdings, die Zahl der einheimischen Bettler ist in erfreulichem Rückgang begriffen; das verdanken wir den Massnahmen, die wir vorher betrachtet haben. Aber aus dem Osten findet ein beständiger Nachschub statt. Von den Judenaustreibungen aus Rumänien und Russland, durch die mit elementarer Gewalt unsere unglücklichen Glaubensgenossen entwurzelt werden, brauche ich Ihnen keine Schilderung zu entwerfen. Auf der Durchreise nach den überseeischen Ländern bleibt so mancher dieser Heimatlosen in Deutschland zurück. Neben diesen acut auftretenden Ueberschwemmungen verursacht aber auch das chronische Massenelend unter den Juden Polens und Galiziens, sowie der übrigen östlichen Länder ein ständiges Abströmen nach dem W7esten. Man kann nicht sagen, dass die Niederschläge dieser Menschenwellen, die sich jahraus, jahrein über Deutschland ergiessen, annähernd so reichliche sind, we von unseren Gegnern böswillig behauptet wird. Umsomehr ist es zu bedauern, dass es bisher nicht gelungen ist, für diejenigen unter den Einwanderern, denen es nicht gelingt ,oder die auch gar nicht willens sind, festen Fuss zu fassen, etwas zu thun, das sie verhindert, für unsere Armencassen eine drückende Belastung und für unsere Glaubensgenossenschaft ein öffentliches Aergernis, ein Chillul Haschern zu sein. Das spüren wir freilich in der Grossstadt weniger, als es auf dem flachen Lande geschieht. Wenig hat die westliche Cultur an diesen Erscheinungen äusserlich verändert, aber spurlos ist sie auch an den Wanderbettlern nicht vorübergegangen. Sie bedienen sich noch der alten Hilfsmittel, der von gutmüthigen Autoritäten ausgestellten Empfehlungsschreiben, der Berufung auf den gegenüber unseren im jüdischen Schriftthum unerfahrenen deutschen Glaubensgenossen leicht zu behauptenden Ruhm der Gelehrsamkeit, auf die Bruderliebe und wenden unseren Frommen gegenüber erfolgreich die Bettlerlogik an, dass eigentlich sie die wahren Wohlthäter seien, indem sie den Gebern eine günstige Gelegenheit böten, durch Erfüllung einer Mizwo sich einen bevorzugten Platz in der künftigen Welt zu sichern. Daneben werden aber die Vortheile unserer westlichen Cultur nicht verschmäht, die Eisenbahnen werden fleissig benützt, um an einem Tage mehrere Ortschaften abzubetteln, und so wird ein ganz beträchtlicher für erspriesslichere Zwecke verwertbarer Geldbetrag aufgewendet, um etwa 4—5000 Reisende mit Eisenbahnfahrkarten für ihre ziellose Rundreise durch Deutschland zu versehen. Einen traurigen Cultur fort schritt bilden die in Leipzig gewerbsmässig vorgenommenen Passfälschungen, einen an-

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