Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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^euilletot). Entwicklung der jüdischen Wohlthätigkeits- Einrichtungen. Fürsorge und Selbsthilfe. Ein Beispiel geben uns seine Bemühungen fürs Handwerk. Er war es, der zuerst jüdische Lehrer zur Ertheüung des Unterrichtes in der Handfertigkeit ausbildete, er sucht die bestehenden „Handwerksvereine*' in ihren Bestrebungen zu fördern, indem er von Zeit zu Zeit in seinen Publicationen, den „Mittheilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde - bunde", ein zusammenfassendes Bild des von den Einzelvereinen Erstrebten und Erreichten veröffentlicht, er ergänzt aber auch ihre Thätigkeiten. indem er an Orten, wo bisher keine „Handwerksvereine" existieren, bis jetzt etwa 200 Handwerkslehrlinge unter Mitwirkung der von ihm bestellten Pfleger ausgebildet, über 50 studierende Techniker durch Stipendien unterstützt hat, indem er fleissigen Handwerksmeistern Darlehen zur Sicherung ihrer Existenz gewährt. Schon bei der Ausbildung der Handfertigkeitslehrer haben wir die Auffassung kennen gelernt, dass richtige „Fürsorge" gleichbedeutend ist mit „Vorsorge". In gleicher Weise ist der Bund mit seinem Beispiel vorangegangen bei Begründung seiner Darlehenscasse für das weiblicheGeschlecht; er war es, der zuerst jüdische Krankenpflegerinnen ausbildete. Noch ein Beispiel aus neuester Zeit. Bekanntlich wurde vom preussischen Abgeordnetenhause im vorigen Sommer ein im April dieses Jahres in Kraft tretendes Gesetz angenommen, wonach die staatliche Fürsorge für verwahrloste Kinder auch auf solche Minderjährige ausgedehnt wird, die zwar keine Strafhandlung begangen haben, bei denen aber die sittliche Qualität der Eltern oder Erzieher eine Verwahrlosung ihrer Pflegebefohlenen befürchten lassen. In jüdischen Kreisen hat man diesem wichtigen Gesetze, in dem der preussische Staat sich zum Trincip der Fürsorge bekennt, wenig Interesse entgegengebracht. Man hält in den weitesten Kreisen unserer Glaubensgenossen die Juden in dieser Hinsicht für immun — leider mit Unrecht. Dem ..Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" waren aus seiner Praxis betrübende Erfahrungen des Gegentheils bekannt geworden, und so traf er sogleich Massregeln, um auch verwahrlosten und mit Verwahrlosung bedrohten jüdischen Kindern eine sittliche und religiöse Erziehung zu sichern. Dank der Freigebigket eines seiner Ausschussmitglieder, des Herrn Eugen Rosenstiel, richtet er jetzt auf dem Gute Repzin bei Schivelbein (Pommern) eine israelitische Fürsorge-Erziehungs-Anstalt, zunächst für Knaben, ein, die am kommenden 1. Mai eröffnet werden wird. Auch