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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Massregeln zu ergreifen seien: 1. Ausschliessung der Juden aus allen öffentlichen Aemtern, aus dem Rechtsanwalts- und Aerztestande und aus dem Lehrercollegium deutscher Schulen, sowie aus der deutschen Presse. 2. Ausschliessung der Juden aus der Armee. Diese Ausschliessungen gelten auch für Deutsche, welche Jüdinnen geheiratet haben und erstrecken sich weiter auf deren Nachkommen bis ins dritte Glied. 3. Verbot der Judeneinwanderung. 4. Verbot, Grund und Boden zu besitzen. 5. Verbot, weibliches Personal arischen Stammes zu halten. 6. Unterricht in besonderen Judenschulen. 7. Verbot der Führung von arischen Namen und Firmen. 8. Einführung der Judenstatistik. 9. Ausschliessung der Juden von der directen und indirecten Betheiligung an öffentlichen Lieferungen, Verpachtungen und Submissionen. — Man muss zugestehen, billiger kann es Herr Joksch auch vorläufig nicht geben. Berlin. (Eine antisemitische Anfrage über den Ritualmord.) Um der aberwitzigen Ritualmord-Legende einen Schein von „wissenschaftlicher" Grundlage zu verleihen, hat der „Germanische Volksbund" der Herren Foerster, Boeckel und v. Mosch neuerdings eine Umfrage betreffs des jüdischen Ritualbezw. Blutmordes veranstaltet, und zwar, wTie die'„Staatsb.- Ztg." sagt, „bei hervorragenden Männern der Wissenschaft und des praktischen Lebens". Der Fragebogen enthält folgende Fragen: 1. a) Gibt es nach Ihrer Ansicht Juden, die zu rituellen, religiösen oder sonstigen Zwecken Menschenblut gebrauchen und darum den Ritualmord oder den Blutmord begehen? b) Und womit begründen Sie Ihre Ansicht? 2. Wenn Sie von der Wahrheit dieser Beschuldigung überzeugt sind, a) wodurch erklären Sie deren Berechtigung und welche Beweggründe nehmen Sie (seitens der Juden) an? b) Was halten Sie für das geeignetste Mittel zur Ausrottung dieser entsetzlichen Verbrechen? — Ueber das jämmerliche Ergebnis dieser LTmfrage schreiben die „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" u. a. Folgendes: „Es war nicht leicht, „hervorragende" Männer in nennenswerter Zahl aufzubringen. Aber die Herren wussten sich zu helfen. LTnter den „hervorragenden' Theologen begegnen wir dem Professor Bohlig und dem Pastor Krösell, unter den „hervorragenden" Juristen einem antisemitischen Agitator, Rechtsanwalt Müller in Bremen; unter den „hervorragenden" Medicinern einen antisemitischen Schriftsteller, Dr. Stille. Als Philologe figuriert ein Anonymus, wie überhaupt eine Reihe von Anonymi in dem Verzeichnis sieh finden; eine Thatsache, die allein schon ausreicht, um dem Unternehmen den Stempel unfreiwilliger Komik und antisemitischer LTn—geniertheit aufzudrücken. Es kam darauf an, möglichst viele Stände und Berufe an der Discussion über das Ritualmordproblem theilnehmen zu lassen. So construierte man sich die Rubrik „Techniker". Und wen finden wir da? Die beiden antisemitischen Agitatoren Memminger und Theodor Fritsch, die ja früher einmal Techniker gewesen sind!! Als Schriftsteller sind u. a. aufgeführt: die Herren Bachler von der „Staatsbürger-Ztg.", Abg. Boeckel und der Herausgeber aer antisemitischen Jahrbücher, Giese! Das Künstlerthum vertritt der Maler Abg. Bindewald! Auch zwei Gutsbesitzer marschieren auf: neben einem Anonymus der antisemitische Agitator Dr. Hentschel und Mittel-Seyffersdorf . . . Kein positives, sicheres, öffentliches Urtheil abgeben zu können glaubten u. a. Stoecker und der antisemitische Agitator Dr. Lindstroem-Hannover. Die Betheiligung an der Sache abgelehnt haben Prof. Schumacher zu Stettin und Prof. Paul Foerster, also einer der Führer des „Germanischen Volksbundes"! . . . Bei aller Prahlerei kommt aber doch der Aerger zum Vorschein, dass man sich manchen Korb geholt hat. So schreibt die „Staatsbürger-Zeitung" : Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass es heute noch „Gelehrte" gibt, und sie gehören überraschenderweise fast ausschliesslich der Philologenwelt an, die zu einer Frage sich nicht äussern können, zu der, wie Dr. Hentschel sich sarkastisch ausdrückt, nachgerade die Fleischergesellen schon Stellung nehmen. Dann halten wir es für recht undankbar, dass man nicht auch einige Fleischergesellen unter die „hervorragenden" Männer eingereiht hat. Dürftiger konnte die von dem „Germanischen Volksbund" veranstaltete Umfrage nicht ausfallen. Wenn die Herren trotzdem kein Bedenken tragen, das Resultat derselben zu veröffentlichen, so zeugt das von der Genügsamkeit des Publicum s. we1 ehern man eine derartige Speise vorzusetzen wagen darf.

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