Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 zidovi!" (Nehmen Sie nicht das Rasiermesser nach dem Juden.) Herr Zeckendorf klagte den Beamten wegen Ehrenbeleidigung beim Berauner Bezirksgerichte, doch sprach dieses den Angeklagten frei. (!) Herr Zeckendorf meldete durch seinen Vertreter, den Smiehower Advocaten Dr. Max Halphen, die Berufung gegen dieses Urtheil an, und darüber fand am 6. August beim Prager Berufungssenate unter Vorsitz des OLGR. R. v. P at er a die Verhandlung statt. Nach durchgeführtem Beweis verfahren hob der Beruf ungssenat das Urtheil der ersten Instanz auf und verurtheilte Josef Reichel zu einer Geldstrafe von 30 Kronen. — Da der genannte Beamte auch sonst durch antisemitische Hetzereien öffcnliches Aergernis erregt, hat unser Rechtsschutz- und Abwehrbureau die geeigneten Schritte unternommen, damit dieser Herr über die Pflichten eines staatlichen Functionärs wirksam belehrt werde. Correspondenzen. Prag. (Ein Beitrag zum Ritualmordmärchen.) Anfangs Juni dieses Jahres erschien in dem Laden des Kaufmannes Herrn Emil Stastny in Schwarzkostelez die la1/^ Jahre alte Tochter des dortigen Schneiders Hynek, Emilie, in Begleitung der 13 Jahre alten Leopoldine Lorbert. Die letztere ist aus einer deutschen Gegend und wohnt bei den Eheleuten Hynek. Im Laden befanden sich, als die Mädchen dorthin kamen, die Gattin des Herrn Emil Stastny und der israelitische Lehrer Herr Josef Günz aus Schwarzkosteletz. Letzterer machte die Bemerkung, dass Emilie Hynek für ihr Alter sehr entwickelt sei, worauf Frau Stastny erwiderte, das Mädchen sei „schlagfertig". Die LTnterhaltung wurde in deutscher Sprache geführt. Die Mädchen verliessen den Laden und beklagten sich zuhause, dass Frau Stastny gesagt habe, Emilie Hynek sei „schlachtfertig'*. Infolge dieses Ausdruckes entstand in Schwarzkosteletz eine antisemitische Bewegung, man brach jeden Verkehr mit den Eheleuten Stastny und mit dem erwähnten Lehrer ab, boycottierte den Laden des Herrn Stastny und verbreitete die Nachricht von einem beabsichtigten Ritualmord. Frau Emilie Stastny, die in L'ebereinstimmung mit der Aussage des Lehrers angab, den Ausdruck „schlagfertig" und nicht „schlachtfertig" gebraucht zu haben, überreichte gegen den Schneider Hynek, von dem sie annahm, dass er das Gerücht in Umlauf brachte, die Ehrenbeleidigungsklage. In der beim Schwarzkosteletzer Bezirksgerichte durchgeführten Verhandlung wurde der Geklagte freigesprochen. Gegen dieses Urtheil ergriff Frau Stastny die Berufung au das hiesige Landesals Strafgericht, wo kürzlich vor einem Apellsenate unter dem Vorsitze des Herrn Oberlandesgerichtsrathes Babor die Verhandlung stattfand. Die Klägerin vertrat Dr. Bendiener, den Geklagten vertheidigte Doctor Pevny. Nach durchgeführter Verhandlung ergriff Dr. Bendiener das Wort, wies darauf hin, dass man den Aussagen der beiden Mädchen, die noch Kinder seien, keinen Glauben schenken könne, und erklärte, er sei überzeugt, dass Frau Stastny den Ausdruck „schlagfertig" und nicht „Schlachtfertig" gebraucht habe. Der Vorsitzende plaidierte für die Herbeiführung eines Vergleiches. Der Vertheidiger des Geklagten Dr. Pevny erklärte, er könne, da der Angeklagte nicht anwesend sei und er diesen erst befragen müsste, einen Vergleich sofort nicht abschliessen. Die Verhandlung wurde sodann vertagt. GablorZ. (Die Zukunft der Juden nach alldeutschem Recept.) Der durchgefallene Reichsrathscandidat Joksch, der vor einigen Jahren (1897) unsere Ortschaften bereiste, ist jetzt Schriftleiter eines westböhmischen Blattes und Mitarbeiter der „Unverfälschten Deutschen Worte". Er hat es schon länger scharf auf die Juden und sinnt auf ihr Verderben. Die müssen aber geahnt haben, dass Herr Joksch einen Hauptcoup gegen sie plant, denn durch allerlei Trics und Listen und Bitten gelang es ihnen, den Joksch7 - schen Groll in etwas zu besänftigen und ihn vom Aergsten abzuhalten. So begnügte sich denn der eifervolle Mann mit weniger als er ursprünglich wollte, und sagt in den „Unverfälschten Deutschen Worten", dass vorläufig nur folgende