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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 falschen, boshaften, verleumderischen Anklage gegen die Juden wegen Bitualmordes hören werde. Das C h w o 1 s o n sehe Buch ist die Erweiterung eines Gutachtens, das der Verfasser schon im Jahre 1857 gegenüber Blutmordbeschuldigungen in Eussland auf ministerielles Erfordern erstattete. Er weist auf das eingehendste und klarste nach, dass die Entwicklungsgeschichte des Judenthums, der Geist und das Wesen des Rabbinismus und der jüdischen Gesetzgebung und die ganze jüdische Literatur deutlich gegen die antisemitischen Anklagen spricht. Gegenüber den Berufungen auf angebliche Belastungen im Talmud legt er dar, dass dessen Entstehung, Entwicklung und Abfassung in nichtchristlichen Ländern stattfand, wo die Juden mit Christen in gar keine Berührung kamen, dass man fälschlich Aeusserungen der älteren rabbinischen Literatur über die Heiden auf die Christen bezogen hat, und dass überhaupt die Angaben über feindliche Gesinnung der Juden gegen die andern Völker und namentlich gegen die Christen ganz irrig sind. Er führt dann den Nachweis der Hinfälligkeit der Blutmordanklage, die schon deshalb in sich zusammenfällt, weil sowohl das Stehlen wie das Morden von Christenkindern, wie auch der Blutgenuss und die angebliche Verwendung von Christenblut zu Zaubereien, Heilzwecken u dergl. schwere Verbrechen gegen die mosaischen Gebote wären, aber nie die Rabbiner gewagt haben, ein biblisches Verbot zu annullieren. Chwolson widerlegt schliesslich auch die Annahme, dass es unter den Juden eine Secte gebe oder gegeben habe, die die Blutbeschuldigung rechtfertige. Das Sectenthum hatte überhaupt im Judenthum wenig Raum und ist sogar bei kleinen religiösen Abweichungen von der Mehrheit heftig bekämpft worden. TJmsomehr ist es ausgeschlossen, dass die Juden eine Secte, die die heiligsten Religionsgesetze verletzt, nicht nur geduldet, sondern ihretwegen sogar die schwersten Verfolgungen ertragen haben sollten. Es wäre im Interesse der Wahrheit zu wünschen, dass diese Schriften nun auch auf weitere Kreise aufklärend wirken und die Nebel des Aberglaubens zerstreuen helfen. Von dem Chwolson'schen Buche, das erst jetzt in deutscher Uebersetzung erschienen ist, besitzt die „Oesterreichisch-Israelitische Union" einige hundert Exemplare in. russischer Sprache, die sich zur Verbreitung in den slavischen Kronländern der Monarchie eignen würden. Wir halten diese Exemplare unseren Mitgliedern zur unentgeltlichen Verfügung und sind bereit, ihnen dieselben auf Verlangen franco zuzusenden. Acher. Mittheilungen der „Oesterr.-Israelit. Union44. Der Union-Kalender 5662. Soeben ist der 12. Jahrgang des von der „Oesterreichischisraelitischen Union" herausgegebenen ..Kalenders für Israeliten" erschienen und durch alle Buchhandlungen, sowie durch unser Bureau, Wien, IX., Berggasse 20, um den Preis von K 1*50 zu beziehen. Der „Union-Kalender" ist ein liebgewordener Haus- und Familienfreund,

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