Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Willen Christi, der sein Volk so sehr geliebt hat. Christi Lehre läuft der Antisemitismus schnurstracks entgegen, und daher muss er früher oder später in Trümmer gehe n.u Die Arbeit von Dr. Fran k, die alle bisherigen Feststellungen mit in Betracht zieht, hat den Vorzug einer lichtvollen, für jedermann leicht fasslichen Darstellung und wird sich durch die populäre Schreibweise zur Aufklärung grösserer Massen eignen, umsomehr, als die Persönlichkeit des Verfassers von vornherein die übliche antisemitische Verdächtigung ausschlieft, dass er lediglich im Interesse der Juden seine Arbeit gethan hat. Er nimmt für sich in Anspruch, dass er sich sein Urtheil mit Unparteilichkeit und Vorurtheilslosigkeit gebildet habe. Der erste Theil des Werkes behandelt den Kitualmord vor dem Gerichtshöfe der Wahrheit. Er gibt einen historischen Ueberblick über die Menschenopfer, die im Gegensatz zu den Heiden gerade bei den Juden auf das strengste untersagt waren, bespricht dann den Blutgenuss, der ebenfalls den Juden zu jeder Zeit durchaus verboten war und sich am allerwenigsten mit ihren Kitualvorschriften vereinigen lässt, und weist darauf hin, dass genau dieselben unberechtigten Anklagen wegen Eitualmordes früher gegen die Christen erhoben worden sind. Dann geht er ausführlich auf die Anklagen gegen die Juden ein und entwirft ein treffendes Charakterbild von den antisemitischen Anklägern und ihren Helfershelfern, vor allem von der wissenschaftlichen Hauptautorität der Antisemiten, Professor Eohling, dem schon längst nicht nur Unkenntnis der Dinge, in denen er als Autorität gelten will, sondern auch eine ebenso grosse Unwahrhaftigkeit nachgewiesen worden ist, und der den öffentlich erhobenen Vorwurf des Meineids und grober Fälschungen ruhig auf sich hat sitzen lassen. Auch die angeblichen wissenschaftlichen Beweise für die Eitualmordanklage unterzieht der Verfasser einer eingehenden Untersuchung, die zum Nachweise ihrer Unhaltbarkeit führt. Auf der anderen Seite legt er dar, wie Päpste in verschiedenen Bullen, weltliche Fürsten, kirchliche Würdenträger, Ordensleute, Hochschulen, in Gutachten der theologischen Facultäten, wissenschaftliche Gesellschaften, Professoren, Convertiten aus dem Judenthum u. a. m. die Eitualmordbeschuldigung als einen Wahnwitz zurückgewiesen haben. — Der zweite Theil des Buches behandelt den Eitualmord vor dem Gerichtshofe der Gerechtigkeit. Er geht auf die einzelnen Fälle angeblicher Eitualmorde ein, von denen kein einziger eine strenge Nachprüfung verträgt — auch im Polnaer Falle ist ja bei der zweiten Verurtheilung ausgesprochen worden, dass kein Eitualmord vorliege. In zahlreichen Fällen konnte sogar direct nachgewiesen werden, dass das Verschwinden von Christenkindern erdichtet war, lediglich um aus habsüchtigen Motiven die übliche Beschuldigung gegen die Juden erheben zu können. Das Ergebnis seiner Untersuchung fasst Pfarrer Frank zum Schluss in einigen prägnanten Sätzen zusammen, worin er nochmals hervorhebt, dass bisher keiner von allen angeführten Beweisfällen die Prüfung vor einem nach den Anforderungen der strengen Gerechtigkeitspflege zusammengesetzten Gerichtshof bestehen könnte. Er knüpft daran die Erwartung, dass, wenn dies der Jugend vorgetragen und eingeprägt werde, man bald nichts mehr von der nach den Aussprüchen des apostolischen Stuhles