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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Reisen im fernen Osten, die genauere Kenntnis zahlreicher Völker, ihrer Sitten und religiösen Anschauungen, haben seinen Blick für die Iirthümer und Vorurtheile der Menschen geschärft, und wiederholt macht der Leser die Bemerkung, dass der Verfasser, der sich selbst einen frommgläubigen Katholiken nennt, einem scharf ausgeprägten Rationalismus huldigt. Der Wert des Buches liegt in dem aus der Geschichte und Entwicklung aller antiken und neueren Völker und ihren Eeligionsschriften mit st up ender Belesenheit erbrachten Beweise, dass der Antisemitismus, resp. Antijudaismus eine rein religiöse Bewegung und die Rassentheorie, die sich der moderne Judenhass zurechtgelegt hat, nach dem heutigen Stande der anthropologischen und archäologischen Forschung vollkommen unhaltbar sei. Auch die Blutanklage und alle sonstigen gegen das Judenthum aus dem Talmud hergeleiteten Anklagen entspringen dem religiösen Fanatismus. Die Parallelen, die hiebei der Verfasser mit den Parsis in Indien und den Christen in China zieht, sind überaus lehrreich. Die Schlusscapitel des Buches verlassen die Bahn sorgfältiger wissenschaftlicher Prüfung und scharfer analytischer Kritik, die Graf Coudenhove so erfolgreich betreten hat. Es ist hier nicht der geeignete Ort, gegen die theologischen Anschauungen des Verfassers, die auf die Verwerfung aller bestehenden monotheistischen Religionen und Rückkehr zur Zeit Heuochs, da weder Judenthum noch Christenthum noch Islam existierten, und Bibel und Koran noch nicht geschrieben waren, zu polemisieren. Das müssen die Theologen mit dem Herrn Grafen ausmachen. Aber entschieden muss gegen die Ansicht des Verfassers, dass die Lösung der Judenfrage nur in der Auswanderung der Juden in irgendein ungelobtes Land — sein christliches Gefühl sträubt sich dagegen, sie nach Palästina zu schicken — gelegen sei, Einsprache erhoben werden. Er begründet diese Ansicht mit der Behauptung, dass die Gegensätze zwischen Christen und Juden unüberbrückbar geworden seien, obwohl er selbst an mehreren Stellen zugesteht, dass die gesellschaftliche Assimilation bereits weite Fortschritte gemacht hatte, und dass die Masse jüdischen Blutes, die in den christlichen und mohammedanischen Völkern steckt, grösser ist als jene, die in den Adern der heutigen Juden rollt. Bei diesen Schlussausführungen waren augenscheinlich zionistische Einflüsse bestimmend, die den Verfasser zuletzt in Conflict mit den Ergebnissen seiner eigenen wissenschaftlichen Forschung brachten. Aber trotz dieser Inconsequenzen, welche die Eignung des Grafen Coudenhove zum praktischen Politiker recht zweifelhaft erscheinen lassen, muss sein Buch eine wahrhaft monumentale That eines edlen, für Recht und Wahrheit erglühten Herzens bezeichnet werden. Er schlägt den Antisemiten ihre gefährlichste Waffe, die Theorie vom Gegensatze der arischen und semitischen Rasse, aus den Händen und deckt diese Theorie als einen puren Schwindel auf. Er schliesst mit den Worten: „Erschiene Christus heute wiederum auf Erden, so würde der Hass gegen die Reste des Volkes, dem er angehörte, mit seinem heiligsten Willen gewiss nicht übereinstimmen. Der Antisemitismus ist durch und durch unchristlich und direct entgegengesetzt

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