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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-09-01 · 9 (9.1901) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
9 (9.1901)
Date
1901-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Neue christliche Zeugnisse gegen die Blutlüge. In einer Zeit, in welcher die Fabel vom jüdischen Kitualmord von gewissenlosen Hetzern ans rein agitatorischen Gründen aufrechterhalten wird, obwohl auch nicht eine einzige beweiskräftige Thatsache dafür angeführt werden kann — denn das, was als Thatsache angegeben wird, ist längst widerlegt und die Wiederholung als böswillige Verleumdung gebrandmarkt worden — ist es doppelt erfreulich, dass sich ehrenwerte Männer aus den verschiedenen confessionellen und gesellschaftlichen Lagern und verschiedenen Gesellschaftsschichten finden, die diesen antisemitischen Lügen auf den Grund gehen und prüfen, was es mit der Berufung auf die angeblichen historischen Kitualmordfälle für eine Bewandtnis hat. Wie das in neuerer Zeit der protestantische Theologe Prof. Strack in seiner Schrift über „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschen" gethan hat, so unterzieht in seinem Buche „Das Wesen des Antisemitismus" ein ehemaliger Diplomat, der einer der vornehmsten aristokratischen Adelsfamilien entstammt, Herr Dr. Heinrich Graf C o u - den h o v e, das ganze Convolut der gegen die Juden gerichteten Anwürfe einer eingehenden kritischen Sichtung, deren Ergebnis ein vernichtendes Urtheil über die Antisemiten ist. Auch der katholische Pfarrer Dr. Fr. Fran k hat in einem ausgezeichneten Werke unter dem Titel: ,,D er Kitualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und G e r e c h t i g k e i t" dieser Sache eine eingehende Untersuchung an der Hand der vorhandenen Literatur gewidmet. Den gleichen Gegenstand behandelt das Buch: „D i e Blutanklage und sonstige mittelalterliche Beschuldigungen der duden" des Professors an der kais. Universität zu St. Petersburg Dr. D. C h w o 1 s o n, der als besonderer Kenner der jüdischen Geschichte und Literatur, namentlich aus der ganzen Entwicklung des Judenthums und der rabbinischen Schriften den Gegenbeweis führt und die angeblichen Belege der Antisemiten aus dem Talmud richtigstellt. Chwolson hatte in der Vorrede zur ersten Auflage vor Jahrzehnten von den „im Westen Europas längst geschwundenen Yomrth eilen" gesprochen und bemerkt, dass diese Anklagen nur noch in halbcivilisierten Ländern auftauchen. Umso beschämender ist es für Oesterreich und Deutschland, dass nach so vielen Jahren der russische Gelehrte zur Einsicht kommen musste, dass in dieser Hinsicht auch Mitteleuropa auf keiner höheren Culturstufe steht, so dass sein Werk hier ebenso zeitgemäss ist wie in Russland. Das Werk des Grafen C o u d e n h o v e nimmt in der Keine dieser Publicationen eine ganz besondere Stelle ein. Es ist die Frucht eines Geistes, der nach Wahrheit dürstete und sich zu dieser Wahrheit durch ein vieljähriges, mühseliges Studium ihm ganz fremder, schwieriger Materien durchgerungen hat. Nicht ex professo ist Graf Coudenhove an die Beantwortung der Frage herangetreten, was von den Lügen des Antisemiten zu halten sei., Der einstige flotte Officier und nachmalige Diplomat bekennt offen, dass er früher selbst Antisemit gewesen war und das Judenthum nach den wenigen zweifelhaften Exemplaren, die mit ihm Wuchergeschäfte machten, beurtheilt hatte. Aber ausgedehnte

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