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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-07-01 · 7/8 (Juli/August 1901) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
7/8 (Juli/August 1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 eine drückende Last für die Gemeinden. Wer für einen solchen oder einen ähnlichen Zweck, zum Beispiel für die Xothleidenden im heiligen Lande sammeln wollte, hatte sich zuvor durch ein Rundschreiben seines Vorstehers oder eines angesehenen Gelehrten seiner rleimatsgemeinde auszuweisen. Alsdann wurde am nächsten Sabbath ein öffentlicher Aufruf zugunsten des Bittstellers veranstaltet. Die von den Gemeinden bewilligten Unterstützungsgelder wurden am folgenden Tage durch den Boten der Gemeinde für den Fremden eingezogen. Dieser hatte inzwischen seinen Aufenthalt in dem auf Gemeindekosten errichteten Einkehrhaus,, oder wenn dieses, was häufig genug geschah, überfüllt war, bei den gastfreundlichen Gemeindemitgliedern. Wer hätte sich nicht beeilen wollen, die heimatlosen Fremden in sein Haus aufzunehmen, wusste doch niemand, wie lange ihm selbst ein eigenes Heim vergönnt bleiben möchte? Solche beständige Beanspruchung durch arme Glaubensgenossen neben der von der localen Obrigkeit für unzulänglichen Schutz geübten chronischen Gelderpressung machte es im späteren Mittelalter den officiellen Gemeindebehörden unmöglich, den Anforderungen der wachsenden Zahl einheimischer und fremder Armen zu genügen. Seit dem XIII. Jahrhundert musste die ursprünglich von den Vorständen nicht begünstigte Hilfsaction der Vereine in Anspruch genommen werden, die einmal anerkannt, zu einer schier unbegrenzten Differenzierung der Einzelzwecke fortschritten und sich eine dominierende Stellung auf dem Gebiete der Wohlthätigkeitspflege eroberten. Es wäre eine überaus lohnende eulturgeschichtliehe Aufgabe, die Entstehung und Entwicklung des jüdischen Vereinswesens darzustellen. Heute müssen wir uns darauf beschränken, die typischen Zwecke anzudeuten, für die im ausgehenden Mittelalter und, wie wir bald bemerken werden^ noch heute Vereine bestehen. Als Musterbeispiel können uns die in jüngster Zeit mehrfach zur Darstellung gelangten Vereinsverhältnisse des Ghettos in Rom dienen. Im XVII. Jahrhundert gab es sieben Vereine, die die Armen und ihre Kinder, Witwen, Waisen und Gefangene mit Kleidern, Schuhen und Bettzeug versahen, zwei Chewras gewährten Brautausstattung und liehen den armen Bräuten kostbaren Schmuck, andere Vereine theilten sich in die Krankenpflege, Todtenbestattung, L^nterstQtzung der Hinterbliebenen, auch ein Frauenverein bot in Fällen, die das weibliche Geschlecht betreffen, seine Hilfe. Eine besondere Gesellschaft betrieb Sammlungen für das heilige Land, für St udienz wecke, für die Beschaffung von Minjans bei Jahrzeiten, für die Feier jedes einzelnen Festtages, für alle möglichen religiösen Ceremonien, die mit Kosten verknüpft waren. Im allgemeinen lassen sich vier Hauptgruppen von Vereinen unterscheiden: 1. solche für Armenunterstützung, 2. solche zugunsten der alten Leute. 3. für religiöse und Erziehungszwecke, 4. für Beihilfe bei Krankheit, Tod und Bestatt trag. Die beiden letzten Gruppen würden nach unseren heutigen Begriffen nur lose mit der eigentlichen Armenpflege zusammenhängen, aber wir müssen beachten, dass die religiösen und wissenschaftlichen Vereine unsere Stipendienfonds vertraten, und dass die Chewra kadischas, beiläufig die ältesten Vereine, deren Entstehungsgeschichte sich bis in die talmudische Zeit verfolgen lässt, auch die gesammte Krankenpflege, die damals ausschliesslich eine häusliche war und nach dem Principe des Gemiluth Chessed, der keinen LTnterschied von Arm und Reich kennenden Bruderliebe geübt wurde, umfassten. Sehr deutlich tritt die Tendenz der fortschreitenden Differenzierung in der Wohlthätigkeitspflege hervor, wenn man zwei Schriftsteller, die den gleichen Gegenstand zu verschiedenen Zeiten behandelt haben, vergleicht: den Xissim Gerondi, der um 1350 in Perpignan lebte und Elijahu ben Salomo Levita, von dem wir eine Darstellung der im XVII. Jahrhundert in Smyrna geförderten, fast zahllosen milden Zwecke besitzen.

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