Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 schnorrte er bei den antisemitischen Blättern um Unterstützung. Er stellte sich hier als ein von den Juden Verfolgter hin und erzählte, •dass er auf Betreiben der Berliner Juden ausgewiesen worden sei. Durch einen Zufall kam er eines Tages statt in die Redaction der antisemitischen „Radikälni Listy" in die in demselben Hause befindliche Redaction des „Gas", wo er, ohne seinen Irrthum zu bemerken, allerlei Geständnisse machte. So erzählte er, dass er schon in Berlin Ritualmordartikel für antisemitsche Blätter geschrieben habe und dass er von diesem Empfehlungen an Ernst V e r g a n i in Wien erhalten habe. Der „Cas" hatte die Bosheit, die Unterredung mit diesem wunderlichen Antisemiten zu veröffentlichen, und nun erfuhr man, dass dieser auch bei sogenannten jüdischen Blättern vorgesprochen und bei Functionären der Prager jüdischen Cultusgemeinde sich um Empfehlungen für Rabbinerposten beworben hatte. Seit jener Zeit war der gute Mann verschollen, bis er jetzt, auf den Namen Stanislaw getauft, wieder auf dem Plan erscheint. Herr Schneider wird sich wohl freuen, dass er, wenn schon die Christen über seine „Wissenschaft* lachen, doch wenigstens einen Juden, und noch dazu einen Rabbinatscandidaten aus Zablotow in Galizien, zu seinem Talmudglauben bekehrt hat. Pisek, 17. Juni. (Hilsner begnadigt.) Der Kaiser hat die über Leopold Hilsner verhängte Todesstrafe nicht bestätigt sondern den Verurtheilten begnadigt Der Oberste Gerichtshof hat die Strafe des lebenslänglichen Kerkers über Leopold Hilsner verhängt. Hilsner wurde in die Strafanstalt Pankraz gebracht. Berlin. (Ein jüdischer Hilfsverein.) Vor kurzem ist in Berlin eine Versammlung angesehener deutscher Juden zusammengetreten und hat einen Hilfsverein deutscher Juden gegründet, der sich im allgemeinen das Ziel setzt, unter Ausschluss jeder gewinnbringenden Thätigkeit für die Mitglieder di^ geistige, sittliche und wirtschaftliche Entwicklung der Glaubensgenossen zu fördern. Der Verein will seine Thätigkeit hauptsächlich im östlichen Europa und in Asien ausüben. In der „Alliance Israelite Universelle", der „Anglo-Jewisy Association" und der „Israelitischen Alilanz" zu Wien bestanden im Auslande ähnliche Vereine, die unter anderem auch durch Errichtung von Schulen in den asiatischen Provinzen der Türkei Bedeutendes geleistet haben. Was insbesondere die „Alliance Universelle" anlangt, so tragen ihre Schulen französischen Charakter, und durch das Bekanntwerden mit französischer Sprache und französischem Wesen sind vielfach sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen den ehemaligen jüdischen Schülern und Frankreich herbeigeführt worden. Ohne der „Alliance Universelle" entgegenzutreten, will nun der Deutsche Verein deutsche Sprache bei den Juden in Palästina und anderen Gebieten pflegen, was umso leichter sein wird, als die meisten der dort lebenden Juden das sogenannte Jüdisch- Deutsch beherrschen und somit dem Unterricht in deutscher Sprache zugänglicher sind, als dem in einei* ihnen ganz fremden Sprache. Die Bedeutung deutscher Schulen im Auslande wird immer mehr anerkannt, und bei thatkräftiger und verständiger Leitung können die neuen jüdischen Schulen sich dem deutschen Schulsystem in nützlicher Weise anfügen. „Wir wTollen", so heisst es in einem Aufrute, der demnächst an die deutschen Juden gerichtet werden wird, „als deutsche Juden deutsche Sprache und deutsche Cultur jenen unserer Glaubengenossen bringen, denen der Anschluss an unser geistiges Leben für ihr wirtschaftliches Fortkommen und für ihre intellectuelle Entwicklung das Gebotene ist". In der Versammlung hatten sich hervorragende Vertreter der verschiedenen jüdischen Gemeinden aus ganz Deutschland eingefunden. Als Vorstand des Vereins wurde Generalconsul Eugen L an d a u - Berlin gewählt, dem ein geschäftsführender Ausschuss und ein Central-Comite zur Seite stehen. Im Namensverzeichnis finden wir