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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-07-01 · 7/8 (Juli/August 1901) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
7/8 (Juli/August 1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 OFPespopde^zet). Wien. (Dr. Auredniczek.) Der bisherige Landesadvocat in Kuttenberg, Dr. Zdenks Auredniczek, der sich durch seine muthvolle, mit Ernst und hervorragender Begabung geführte Vertheitigung Hilsners weithin einen Namen erworben, ist nach Wien übersiedelt und hat hier seine Advocaturs-Kanzlei eröffnet. Dr. Auredniczek, der in Kuttenberg lange Jahre eine grosse Praxis besäss, da er durch seine Gewandtheit, seine ausserordentliche Tüchtigkeit und seine strenge Reellität bedeutendes Ansehen genoss, verlor den Zuspruch seiner dienten von dem Augenblicke an, da er die Vertheidigung Hilsners übernommen hatte. Der Fanatismus wendete sich gegen ihn mit voller Kraft; czechische Zeitungen wurden nicht müde, ihn zu schmähen, und es bildete sich ein Boycott gegen ihn. Die Kanzlei des Advocaten, zu welcher infolge seiner vielen Erfolge die Thür niemals still gestanden war, wurde jetzt nur noch von einer kleinen Zahl charaktertreuer und Dr. Auredniczek anhänglicher Clienten besucht. Dieser war aber auch nie vor den Insulten des Pöbels sicher, welcher ihn um seines unerschrokenen Eintretens für den Angeklagten Hilsner willen hasste. Er war auf der Strasse wiederholt Beleidigungen und Attaqen ausgesetzt. Dies bewog Dr. Auredniczek, seine Heimat zu verlassen und sich nach Wien zu wenden, wo er seine Thätigkeit in der Rothenthurmstrasse Nr. 523 eröffnete. Wien. (Criminalstatistik in Oesterreic h.) Im Wiener Landesgerichte in Strafsachen, im sogenannten Criminal. hat der Zählungsbogen der am 31. December 1900 daselbst befindlichen Inhaftierten das Resultat ergeben, dass 1150 Häftlinge anwesend waren. Nach der Confession 991 Katholiken, 108 Protestanten und 23 Juden. Die Juden betragen demnach ganz erenau 2°/0 der Häftlinge, während der Percentsatz der Juden in Wien über 9% und der Juden in Oesterreich nahezu 6% beträgt, daher den Juden mit Rücksicht auf Wien 80 und mit Rücksicht auf ganz Oesterreich 46 Ziffern zugute kommen. Als Pendant sei eine weitere interessante statistische Notiz erwähnt. Von den 132 in Wien unschuldig Inhaftierten waren 13 Juden, demnach 9°/0. Zu den unschuldig Verhafteten, die nachher als schuldlos aus der Haft entlassen wurden, stellen die Juden einen viel höheren Percentsatz. Es gilt als eine Art Objectivität, gegen angeschuldigte Juden sofort mit aller Strenge vorzugehen. Von diesem Gesichtspunkte aus besitzen die angeführten Daten sociologisch eine besondere Bedeutung. Aus guter Quelle verlautet, dass der statistische Bericht des Justizministeriums über die Criminalität in Oesterreich nach wie vor einen verhältnismässig namhaften Rückgang der Criminalverbrechen unter den Juden aufweisen wird. Der Rückgang vollzieht sich in der Aera des Antisemitismus, demnach während der letzten drei Jahrzehnte, allmählich und continuierlich, während der allgemeine Percentsatz der Verurteilungen fortwährend steigt. Prag. (J e h u d a T i 11 i n g e r.) Ein hiesiges christlich-sociales Blatt, „Obrana", lässt eine Artikelreihe über den Talmud erscheinen, deren Verfasser ein gewisser Stanislaw T i 11 i n g e r ist. In einer Fussnote bemerkt die Redaction des Blattes dazu : „Der Autor dieses Aufsatzes, ein Jude, g e w e s e n er R a b b in e r, ist jetzt nach dem Uebertritte in den Schoss der katholischen Kirche Hörer der Theologie in Wien." Da diese Artikel offenbar wohl bald, in das Deutsche übersetzt, im „Deutschen Volksblatt" erscheinen dürften, wird es von Interesse sein, etwas über den Verfasser zu erfahren. Dieser „Hörer der Theologie" hiess nicht immer Stanislaw. Ehemals fahrte er den Namen Jehud a. Als solcher bewarb er sich im August vorigen Jahres um die Rabbinerstelle in Smichow bei Prag. Zu gleicher Zeit aber

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