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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-07-01 · 7/8 (Juli/August 1901) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
7/8 (Juli/August 1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 Schliesslich wird beigefügt, dass die Broschüre „Nasi Przyjasiele" sich als wörtlicher Abdruck der Druckschrift „Tajemnice Zidowskie", herausgegeben von Ks. M. J. in Krakau im Jahre 1898 dortselbst, deren Beschlagnahme vom k. k. Ober-Landesgerichte in Krakau mit Ent- 39/98 Scheidung vom 17. Mai 1898 DI —j— bestätigt wurde, darstellt. Krakau, am 5. Juni 1901. K. k. Ober-Landesgerichtsrath und Staatsanwalt. (Unterschrift uuleserlich.) Die Zuschrift des geehrten Herrn Staatsanwaltes von Krakau gibt nach mehr als einer Richtung hin zu denken. Die in derselben angegebene Broschüre „Tajemnice Zidowskie" („Die Geheimnisse der Juden") stammt aus der Feder des Religionslehrers am k. k. Staats- Gymnasium zu St. Anna in Krakau. P. M. Jes und wurde über Einschreiten der „Oesterreichisch-isrrelitischen Union" im Jahre 1898 confisciert, nachdem sie in lausenden von Exemplaren in den Schulen zu Krakau und Wieliczka und unter die Landbevölkerung vertheilt worden war und die Wieliczkaer Judenkrawalle vom 11. und 13. März 1898 verursacht hatte. Jetzt wird diese Broschüre mit geändertem Titel und ohne Angabe des Druckers undVerlege-rs unter den Augen der galizischen Behörden neuerdings verbreitet. Der Herr Staatsanwalt verlangt naiverweise von u n s, dass wir ihm die Verbreiter der Hetzschrift nennen, statt dass er selbst nach denselben fahndet. Man schreibt uns aus Krakau, dass sowohl der Name des Druckers als jener des geistlichen Colporteurs in aller Munde seien. Es bedarf also nur einigen guten Willens von Seite des Herrn Staatsanwaltes und der Krakauer Polizei, um die Schuldigen zu eruieren. Wir sind sehr begierig darauf, ob dies den genannten Behörden gelingen wird, zumal ja dieselben in der Erforschung der Urheber socialistischer Flugschriften sehr gewandt und erfahren sind. Es ist nicht gut anzunehmen, dass sie diese Gewandtheit just bei Verfolgung antisemitischer Pamphlete im Stiche lassen wird. * Was der Staatsanwalt nicht confisciert Das „Floridsdorfer Wochenblatt" brachte in seiner Nr. 24 vom 14. Juni d. J. einen Hetzartikel gegen die dortigen Juden, dessen Schluss lautete : „Kauft nicht bei Juden!" „Geht nicht zum jüdischen Advocaten! " „Nehmt keinen jüdischen Arzt!" „Kaufet und leset keine jüdische Zeitung!" Das Wichtigste aber ist: „Kein Hausherr gebe einem jüdischen Mieter Unterstand!" Unser Rechtsschutz-Bureau hat in einer Eingabe an den Justizminister das sofortige Einschreiten der Staatsgewalt gegen diese Aufreizung zum Boycott gefordert.

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