Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1-2 dass Aria Träger sich bis heute auf freiem Fusse befindet. Wir werden die Angelegenheit weiter verfolgen. * * * Am 9. Mai brachte das „Deutsche Volksblatt" die Mittheilung, dass ein Jude bei Ermordung eines Mädchen in einem Walde erwischt worden wäre. Die Gendarmerie verhaftete den Juden, der sich sodann an seinem Gebetriemen im Arreste erhenkte. Der thatsächliche Vorfall, der dieser Erzählung zugrunde liegt, war folgender: Am 30. October v. J. hörten einige Bauernmädchen, welche in der Nähe des Waldes Kolnike bei Hlubicz Vieh zur Weide führten, dass jemand im Walde schrie, als ob er geschlagen würde. Als sie hinhorchten, vernahmen sie den Ruf: „Schlag' mich nicht, ich geb' Dir alles!" und dann war es still. Die Mädchen holten einige Männer herbei, welche den Wald durchsuchten und im Gestrüpp die Leiche des Israel Meister auffanden. Der 62jährige Greis war erdrosselt und seiner Barschaft beraubt worden. Meiste r war Aufseher in der Theersiederei des Isak Katz und hatte einige Wochen vorher mit dem daselbst beschäftigten Knat M akalo einen Streit gehabt. Deshalb lenkte sich auch der Verdacht der Thäterschaft gegen diesen. Die Gendarmerie nahm eine Hausdurchsuchung vor und fand oberhalb der Thür in der Mauer eine Oeffnung, in der eine Brieftasche mit 32 Kronen verborgen war, welche als Eigenthum des Ermordeten agnosciert wurde. M a k a 1 o wurde verhaftet, flüchtete aber am 4. November, trieb sich sich einige Tage im Walde herum, wurde aber dann aufgegriffen und legte das Geständnis ab, dass er Meister mit dessen eigenem Gebetriemen erdrosselt habe. M a k a 1 o wurde vom Schwurgerichte Strij zum Tode durch den Strang verurtheilt. Der Cassationshof bestätigte das Todesurtheil. * * Das Märchen vom Ritualmorde wollte kürzlich in der Gemeinde Dömsöd im Pester Comitate seine Auferstehung feiern. Vor Wochen verschwand da die kleine Juliska H o r v a t h, das Töchterchen des dortigen Insassen Valentin Horvath, Die besorgte Mutter hielt überall Nachfrage nach ihrem Kinde und kam endlich auch zum jüdischen Gastwirt Samuel Stern, der ihr gleich den anderen die traurige Auskunft gab, dass er die kleine Juliska nicht gesehen habe. Plötzlich hörte die Horvath vom Dachboden des Gasthauses ein Stöhnen: sie eilte hinauf und fand da ihr Töchterchen schwer krank liegen. Der Gemeindearzt Dr. Ladislaus Szarka untersuchte die Kleine und constatierte Vergiftungssymptome. Im Nu verbreitete sich in der Ortschaft die Nachricht, dass die Juden das arme Christenmädchen tödten wollten, um dessen Blut abzuzapfen, welches sie zu dem Baue eines neuen Tempels in Budapest benöthigen. Die Horvath erstattete die Strafanzeige gegen Samuel Stern wegen Vergiftung. Das königliche Bezirksgericht in Raczkeve leitete die Vorerhebungen, und da wurde folgender Thatbestand ermittelt: Die blödsinnige Magd des Stern, Rosa Krizsan, hatte die kleine Juliska heimlich auf den Dachboden ge-