Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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theile erringen; weg mit dem — nach seiner aus christlicher Quelle geschöpften Meinung — alten Plunder. Ich bin überzeugt — und die Geschichte lehrt es — dass e& jüdische, ethisch niedrigstehende Naturen genug gibt, welche auch bei der besten Kenntnis des Judenthums demselben den Rücken kehren werden, aber es wird deren eine grosse Menge gebenr welche bei genauer Kenntnis dpsselben so von seinem Werte durchdrungen sein werden, dass es ihnen auch nicht einfallen wird, die Frage der Gonversion aufzuwerfen. Allerdings ist es ein wenig schwer, agitatorisch belehrend in dieser Beziehung zu wirken. Licht und Schatten sind nicht gleich vertheilt. Alljährlich erscheinen von Seite der Missionsgesellschaften und von Seite hochgebildeter, wohlgesinnter, und wohlwollender sogenannter Judenfreunde Schriften in populärem und hochwissenschaftlichem Gewände, geistvolle Essays in angesehenen Zeitschriften, der „Zukunft" und den „Preussischen Jahrbüchern", in welchen die kritische Sonde an die Judenfrage und ans Judenthum gelegt wird. Es erscheinen auch Schriften, die selbst ein minder empfindliches Gemüth als eine Beleidigung des Judenthums als einer anerkannten Genossenschaft auffassen könnte. Aber sie bleiben unangefochten. Hingegen ist man sehr empfindlich, wenn es sich um eine Kritik des Christenthums und seiner Lehren handelt, und wäre sie noch so wissenschaftlich und noch so vornehm in Gehalt und Form, läuft sie Gefahr, von der Presspolizei unterdrückt, verfolgt zu werden. Ein besonderes Experiment machte dieser Tage eine Linzer Zeitung. \\ ie wir der ,.Arbeiter-Zeitung" entnehmen, brachte das clericale Organ in Linz einen heftigen Artikel gegen den Protestantismus und wurde nicht confisciert. Ein anderes Blatt druckte den Artikel ab und setzte nur überall statt „protestantisch" „katholisch" und verfiel sofort der Gonfiscation. In allen Publicationen, die über das Judenthum als Confession erscheinen, wird der Messias-Glaube als Messias-Sage bezeichnet. Wenn dies einmal in einer wissenschaftlichen Schrift geschieht welche die christliche Confession zum Gegenstand hat, so entgeht dieselbe nur durch Zufall der Gonfiscation, wenn sie auch von einem sehr vornehmen, sehr objectiven christlichen Forscher ausgeht Und aus all diesen Schriften schöpft die jüdische Jugend ihre religions-philosophische Bildung und ihre religiöse Ueberzeugung. Die Wertschätzung, welche das Judenthum selbst von Seite christlicher Philosophen und Forscher erfährt, z. B. Nietzsche, bleibt merkwürdigerweise von diesen Essay-Schriftstellern und den übrigen aufdringlichen Freunden des Judenthums, die sich in der „Zukunft" und in den „Preussischen Jahrbüchern" aufthun, schön verschwiegen, und da unsere Jugend zwar viel von Nietzsche spricht, ihn aber nur selten liest, so bleibt ihnen diese Meinung verborgen.