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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-07-01 · 7/8 (Juli/August 1901) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
7/8 (Juli/August 1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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wesen verwachsen, dass wir sagen dürfen, das Schicksal, das man uns Juden bereitet, ist das Schicksal des Staates selbst. Duldet man Unrecht und Willkür gegen uns, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass die Achtung vor dem Gesetze und die Autorität der Staatsgewalt auch auf anderen Gebieten des öffentlichen Lebens Schaden gelitten haben. Und war dem nicht so in den letzten Jahren? Haben sich in Verwaltung, Rechtsprechung und Gesetzgebung nicht tief beunruhigende Erscheinungen gezeigt, aus denen eine einsichtige Regierung die Lehre ziehen musste, dass die Verletzung von Recht und Gesetz, wenn sie einmal einer einzelnen Glasse von Staatsbürgern gegenüber geduldet wird, nicht mehr eingedämmt werden kann und schliesslich zur Lähmung des gesammten staatlichen Organismus führt? Die gegenwärtige Regierung scheint zu dieser Einsicht gelangt zu sein. In Uebereinstimmung mit der Tendenz der Kaiserreise hat Herr v. Koerber an die Beamten der Prager Statihalterei eine Ansprache gehalten, die uns mit der Hoffnung erfüllt, dass die Gerechtigkeit gegen alle, und daher auch gegen uns, wieder das leitende Princip der österreichischen Verwaltung werden solle. Der Ministerpräsident verwies die Herren der Prager Statthalterei auf ihren Eid und bezeichnete die Befolgung „des gegen alle gleich gerechten Gesetzes" als ihre oberste Pflicht. Das war zunächst wohl in Beziehung auf Deutsche und Czechen gesprochen. Aber der Grundsatz der Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit verträgt keine Einschränkung. Will man ihm Respect verschaffen, dann darf man die Juden von seiner Wirkung nicht ausschliessen. Im Uebrigen haben gerade in jüngster Zeit einige Vorfälle in Mähren bewiesen, dass die Interessen der Juden von den allgemeinen Interessen nicht zu trennen sind. Wie zum Hohne auf die Versöhnungsbestrebungen der Regierung und auf den friedlichen Verlauf der jüngsten Parlamentssession hat man in den letzten Wochen an mehreren Orten Mährens den nationalen Kampf auf das wirtschaftliche Gebiet hinübei gespielt und nicht nur in Wort und Schrift den nationalen Boycoit gepredigt, sondern auch in die lebendige That umgesetzt. Seit Jahren ertönt in der radicalczechischen Presse der Ruf: „Svuj k svemu!" Errichtet sich formell gegen die Deutschen, in Wirklichkeit aber gegen die jüdischen Kaufleute. \ on der Propaganda des Worles ist man zur Propaganda der That übergegangen. Auf den Jahrmärkten zu Prerau und Dub hat man den deutschen Marktleuten Plätze verweigert, und in Prossnitz fand eine grosse Hetzversammlung der czechoslavischen Kaufmannschaft wieder unter der Devise: ,.Svuj k svemu!" statt. Die Opfer dieser auf vollständige wirtschaftliche Scheidung bei ler Nationalitäten gerichteten Scheidung waren und sind zumeist Juden. Im Interesse der letzteren ist unser Rechtsschutzbureau, im Interesse der deutschen Kaufmannschaft sind die Abgeordneten d'Elvert und Primavesi beim Ministerpräsidenten vorstellig geworden, der beruhigende Zusagen machte.

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