Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 7, 8 Wien, Juli-August 1901 13. Jahrgang /»^^^^^/S^^^^^^^ Wirtschaftlicher Boycott. Die Versöhnungsfahrt des Kaisers nach Böhmen hat einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zurückgelassen. Der Monarch wurde nicht müde, bei allen Empfängen die ernste Mahnung zu Frieden und Verträglichkeit zu wiederholen und die Notwendigkeit gemeinsamer wirtschaftlicher Arbeit beider Volksstämme zu betonen. Dieses Bemühen von höchster Stelle, den Blick von den kleinlichen Partefragen des Tages hinüberzulenken auf die grossen culturellen und ökonomischen Interessen des Gesammtreiches, entspricht einem tiefempfundenen Bedürfnisse der Bevölkerung selbst. Der nationale Hader hat nicht nur die innere Lebenskraft der Monarchie und ihr Ansehen nach aussen arg geschädigt, er hat auch jedem einzelnen Berufskreise schwere Wunden geschlagen. Aus dem nationalen Kriege entwickelte sich ein wirtschaftlicher Krieg aller gegen alle, welchen die Mächte des Rückschrittes noch mit aller Kraft schürten, um ihre Herrschaft dauernd zu befestigen. Niemand hat die zersetzende Wirkung des Sprachenzwistes härter empfunden als wir Juden. Wir zahlten die Kriegskosten für jede Partei, wir wurden verantwortlich gemacht für alle Uebel, welche als die unausbleibliche Gonsequenz des Kampfes jede Schichte der Gesellschaft trafen. Der alte taktische Grundsatz : „Haust Du meinen Juden, hau* ich Deinen Juden" ist von Deutschen und Czechen gründlich befolgt worden. Aber nicht von diesen allein! Die bürgerlichen Rechte und Freiheiten der Juden waren auch das Compensationsobject für alle Verhandlungen, welche die bedrängte Staatsgewalt mit den streitenden Parteien führte; nach der Verfassung waren wir gleichberechtigte Staatsbürger, in der Praxis gab man uns dem brutalen Egoismus aller Fractionen preis, die Ursache hatten, die Bevölkerung über die Grundquelle der wirtschaftlichen Noth hinwegzutäuschen. Alle Machtvermehrung der Feudalen und Glericalen, alle gewerblichen Scheinreformen, mit denen man die Unzufriedenheit der kleinbürgerlichen Schichten beschwichtigen wollte, vollzogen sich auf Kosten der Rechte, der Ehre und der Existenz der jüdischen Bevölkerung, der einzigen in diesem Staate, deren patriotische Selbstlosigkeit trotz aller Verleumdung über jeden Zweifel erhaben war. So sehr sind wir mit diesem Staats-