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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-05-01 · 5/6 (Mai/Juni 1901) · p. Seite 26

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
5/6 (Mai/Juni 1901)
Date
1901-05-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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-20 ihnen gesucht und sie zur Eile angetrieben? Antonio hinter dem Ganzen? Ha, wie glaubt er nun alles klar! Welch ein Betrug, welch ein Complot, welch eine Niedertracht ohnegleichen! Das war es also, was Lancelot ankündigte V Verschworen haben sie sich, in Masken werden sie kommen, und Antonio dahinter! Und richtig: hat mich Lancelot, der Bube, nicht gestichelt, als ich in Antonios Haus kam? . . Vorher gestichelt, nachher gestichelt, denn Herr und Knecht, Arm und Reich, alle sind sie im Complot, wenn es gilt, den Juden zu höhnen . . . Und wer bedenkt, welche Schärfung aller Sinne der Schmerz verursacht, der wird wissen, wie es nun im Geiste dieses Menschen zugeht, der, an Leib und Seele tödtlich getroffen, mit ungeheurer Kraft des Argwohns alles in einen Connex zu bringen sucht. Aber was nun thun? Das Schiff ist noch im Hafen; auf zum Dogen um Gerechtigkeit! Wenn man mir eine Uhr stiehlt, habe ich das Recht, sie zu verlangen, wagt Ihr Recht zu weigern^ wenn eine Tochter, angestiftet von einem Christen, ihrem jüdischen Vater ein ungeheures Vermögen stiehlt? Und der Fürst sieht das auch ein, geht trotz der Nacht noch mit dem alten Manne nach dem Hafen aber wie sie hinkommen, hat das Schiff die Segel gelüftet und tänzelt herrlich bei Vollmondschein dahin auf der köstlich murmelnden Flut — und so kehrt denn der Doge unter Ehrenbezeugungen, wie es sich geziemt, in seinen herrlichen Palast zurück, während der Jude, der toll vor Schmerz und Wuth ist, auch seine Garde hat; denn er — er wird von hunderten von Gassenbuben verfolgt! Denn so ist es: auf dem Schiffe dort, dessen weisse Segel man noch sieht, girrt bei Mondenschein die sehnsüchtige Mandoline, und hier auf der Piazza herrscht ebenfalls Heiterkeit, denn er fordert so sehr den Spott heraus, der jüdische Dialect; der in Italien ganz so prononciert ist. wie bei uns. Und wenn man ihn nur hört, dann steigen in einem Ge„dankenfolgen auf, die ausschlaggebender sind, als der einfache Gedanke, dass hier ein ungeheures Verbrechen begangen worden ist und dass ein Vater mitten ins Herz getroffen wurde, und Antonios Hand, so glaubt er, die schon einmal nach dieser Brust schlug, war wiederum mit dabei!... Und wohlgemerkt, es ist nicht allein die Hefe des Volkes, die sich an dem ungeheuren Leid belustigt, sondern die Gebildeten thun auch mit. Da sind einige Freunde zurückgeblieben, die sich zu der gebildeten Gesellschaft rechnen, und die sagen und erzählen einander: „Es war merkwürdig, wie dieser schamlose Hund geschrieen und gebrüllt hat", und sie imitieren seinen Jargon. Ja, so schrie und brüllte er, und ballte die Fäuste gegen den Himmel, und die Thränen tropften ihm dabei von der Nase, und er schrie: Meine Tochter, meine Ducaten, meine Ducaten, meine Tochter! So schrie der schamlose Hund" . . . Hier in Wien, im Jubiläums-Theater, war ja im vorigen Winter das anmuthende Schauspiel zu sehen; man lachte zu der Schilderung, und es ist ja auch nach den Principien der Aesthetik sehr hässlich, wenn ein alter Jude, der sich an Schönheit ohnehin mit einem jungen Mädchen nicht vergleichen kann, auch noch brüllt und schreit und weint... Und sehen Sie, mit einem Karrengaul hat man Mitleid, wenn er auf der Strasse zusammenfällt, denn das Thiermitleid, das ist eimjr der Fortschritte der Ethik; und hier, in einem Wiener Theater, lachte man vor einem Jahre noch über den so einfachen Schmerz eines Juden. Nur

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