Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 5/6 (Mai/Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Gemeinde allein zahlt an rdurchreisende" Bettler jährlieh über 100 fl. aus, davon gehen jährlich 20 fl. an Reiseauslagen verloren. Zu einer Berathung kann ich nicht persönlich erscheinen, doch sehe ich mit sehr grossem Interesse der Weiterentwicklung dieser socialen Frage entgegen und wäre für Berichte sehr verbunden. Hochachtend Dr. David Popper. Horazdiowitz, den 31. März 1901. Vors. Hr. Professor Dr. Ehrmann: Der Antrag ist wichtig und zu weitreichend, als dass ohne Vorbereitung in der General- Versammlung darüber entschieden werden könnte. Die Frage des Wanderbettels beschäftigt uns seit langem und wir werden ihr die nöthige Aufmerksamkeit zuwenden. Es ist Sache der g esammten Judenheit, diese Frage in befriedigender Weise zu lösen, nicht Sache der „Union" allein. Die Ursachen sind in den galizischen Verhältnissen zu suchen, und diese müssen erst im allgemeinen gebessert werden, bevor in dieser speciellen Angelegenheit Aussicht auf Erfolg eintritt. Den galizischen Glaubensgenossen wird aber seit jeher unsere intensivste Aufmerksamkeit zugewendet. Ich glaube, dass es im Interesse einer gründlichen Behandlung gelegen ist, wenn der Antrag des Herrn Dr. Popper dem Vorstande zugewiesen wird, und bitte Sie, in diesem Sinne ihre Stimmen abzugeben. (Es wird beschlossen, den Antrag dem Vorstande zuzuweisen.) Hr. Rabbiner Dr. Schon* führt in längerer Rede aus, dass der Volksverdammung, welche mit der Macht des Antisemitismus gleichbedeutend sei, entgegengearbertet werden muss, und beantragt, dass durch kostenlose Vertheilung von aufklärenden Schriften an die untersten Volksschichten nichtjüdischen Glaubens zur Erreichung dieses Zweckes beigetragen werde. Hr. Bürgerschullehrer Faltitschek bringt eine persönliche Angelegenheit zur Sprache, deren Spitze sich gegen ein Vorstandsmitglied der Gultusgemeinde richtet. Vicepräsident Professor Dr. Ehrmann ist der Ansicht, dass diese Sache nicht zur Tagesordnung der „Oesterr.-Israel. Union" gehört, umsoweniger, als kein Antrag damit gestellt wird und nur Interpellationen über Vereinsvorgänge in der General- Versammlung zulässig sind. Da sichHr.Dr.Lifczis zur meritorischen Erwiderung meldet, entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungs-Debatte, an der sich die Herren Dr. Schreibe r, Professor Dr. Ehrman n, kaiserl. Rath R u z i c k a, Dr. Z i n s, Dr. M e i t n e r, Dr. B 1 o c h, Hofbauer, Dr. Kadisch und Dr. Lifczis betheiligen. Hr. Dr. Lifczis erhält das Wort und klärt namens des abwesenden Gultusvorstandes die von Herrn Faltitschek vorgebrachte Angelegenheit in befriedigender Weise auf. Professor Dr. Ehr mann schliesst, da niemand mehr zum Worte gemeldet ist, um 12 Uhr mitternachts die XV. ordentliche General-Versammlung.