Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 5/6 (Mai/Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 zu schaffen, falls ihm dies nach seinen Fähigkeiten und körperlichen Beschaffenheit möglich ist, mögen die Gemeinden auch thatsächlich die Unterstützung ihrer Armen selbst in der Hand behalten. Das „Wandern" armer Glaubensgenossen von Ort zu Ort muss aufhören. Da nun einzelne Gemeinden nicht die nöthigen Mittel haben dürften, ihre Armen zu erhalten, muss solchen die Möglichkeit offen bleiben, sich an eine Centralstelle zu wenden, um nöthige Beiträge zu erhalten. Es handelt sich also darum: a) eine Centraistelle zu schaffen; b) die Gemeinden (Chewra Kadischas) zu veranlassen, dieser Centralstelle jährlich nach ihren Mitteln Beiträge zu senden. Hierbei fahren meiner Ansicht nach alle gut, nur erwerbsfähige junge Bettler, die faulenzen und auf Kosten ihrer Glaubensgenossen gut leben wollen, nicht. Jetzt erhält zumeist derjenige angebliche Arme die grösste Unterstützung, der frech auftreten, oder aber gut simulieren kann, in Zukunft muss ein Armer schön zuhause bleiben und — wenn er dazu fähig ist — hübsch arbeiten, während andererseits wahrhaft Arme und Kranke, die nicht wandern können, kräftiger unterstützt werden können, insbesondere auch die verschämten Armen, die oft hungern und darben. Dies alles kann die heimatliche Cultusgemeinde beurtheilen, nicht aber die fremde Gemeinde! Unser Antrag ist ein so einfacher, dass man sich über die Ablehnung desselben seitens des Prager Gemeindebundes (vide Dr. Blochs Wochenschrift vom 29. d. M.) nicht genug wundern kann. Ich glaube, man muss nicht erst solche Fälle durchgemacht haben, wie solcher unlängst hier vorkam und welches mich eben zu dem Antrage veranlasste, um dies anzuerkennen. Vor einigen Monaten kam hier ein jüdischer Krüppel in einem Hundewägelchen an. Vor der ersten Brantweinbude hielt er an und fuhr dann berauscht durch die Stadt. Vor Judenhäusern, die er an der Aufschrift der Läden erkannte, hielt er an und schimpfte so lange über — die Juden, bis diese ihm einen grösseren Betrag gaben, dass er weiterfahre. Beim Gemeindecassier am Ringplatze provicierte dieser „Krüppel41 einen solchen Spectakel, dass die Leute zusammenliefen und zuhörten, wie er über die Juden schimpfte, ja die Taglöhner ergriffen seine Partei. Der Cassier gab ihm einige Gulden, dingte einen Taglöhner für 1 fl. 50 kr., der ihn im Hundewägelchen als Begleiter bis Schüttenhofen führte. Der gute Mann kostete also gegen o fl., und demselben Herrn noch dürfte auch die Gemeinde Schüttenhofen alles gethan haben, um ihn los zu werden. Wirft man in einem solchen Falle nicht geradezu das Geld zum Fenster hinaus? Könnte für 5 fl. nicht eine Familie am Lande eine Woche lang sich den nöthigen Unterhalt schaffen? — Dieser Fall bewog mich, die Sache in die Hand zu nehmen, und dachte ich, dass mein Antrag allerseits anerkannt werden würde. Aber weit gefehlt — wenn nicht die „Oesterr.-Israel. Union" eingreift, geschieht gar nichts, wie es ja überhaupt bald keinen jüdischen Verein geben wird, der der „Union" nur halbwegs gliche. Ehrenstellen annehmen, aber nichts arbeiten — ist die Devise vieler, Arbeiten, und zwar rasch arbeiten, die Devise der „Union". Es kommt ja hier auch in Betracht, dass die herumziehenden jüdischen Bettler den Antisemitismus in jeder Weise fördern und überhaupt dem Judenthum nur Schande bereiten. Die Art der Durchführung muss ich der löblichen „Union" überlassen, da ich in dieser Beziehung zu wenig Erfahrungen habe. Ich glaube, es wäre ein Circulär an sämmtliche Gemeinden zu verfassen, worin diese aufgefordert werden, sich zu äussern, ob sie mit dem Antrage übereinstimmen und die Durchführung wünschen; ein Comite von Vertrauensmännern in der Hauptstadt hätte dann dafür zu sorgen, dass die einzelnen Gemeinden (Chewra Kadischa) ihre Pflicht erfüllen und die Beiträge jährlich einsenden. Ich glaube, dass reiche Wohlthäter diesem Zwecke auch dann mit grösseren Beträgen entgegenkommen würden, dessen auch in Testamenten etc. gedenken würden. Unsere