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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 tödten ableitet, dann finden sich hundert Vertheidiger, und jeder vernünftige und redlich denkende Mensch wird da von selbst auch zum Vertheidiger, der sich gegen derlei Ausschreitungen der durch die criminalistische Luft verdorbenen und drakonisch gewordenen Psychologie wehrt, dass man aus der offenbaren Absicht, jemandem einen Merks zu geben, gleich die widersinnige Absicht macht, ihm für etwas, was in der Wagschale der Leiden beinahe nicht sehr hoch wiegt, sofort ans Leben zu gehen. Nun, und ist denn der Fall da nicht noch hundertmal deutlicher? Und noch mehr, die Fortsetzung der Scene beweist es ja gleich, wie fern Shylock noch von allen blutigen Gedanken ist! Denn es beginnt sein Gespräch mit Antonio, und was ist in diesem Gespräche das erste Wort? Ein kurzes Präludium . . . Nennung des Gegenstandes des Geschäftes .... ja, 3000 Ducaten .... ganz richtig . . . und alles in abgerissenen Worten, so dass man so recht sieht, es ist da noch etwas Unausgesprochenes vorhanden . . . und da ist es endlich! Und was ist es? List? Süssigkeit? Tückisches Staubvon-den-Füssen-küssen, oder sonst etwas, was wie der Stiel zu der späteren blutigen Axt passt? Nein, sondern ganz im Gegentheil: „Ich hätte mich eigentlich mit Euch über etwas auseinanderzusetzen . . und Niederkämpfung des frischen Grolls, sowie Wiederaufnahme des Gedankens: ,,Ich will es denn doch versuchen, diesem verhärteten Gemüth zuzureden", — und so spricht er : „ Seht Ihr, heute kommt Ihr selbst um Geld, und Ihr häuftet immer Schmach auf mich, weil ich vom Geldverleihen lebe 1 Das ist doch nichts Unrechtes, und dabei handle ich, wie Jacob in der Bibel gehandelt; unter keinen Umständen verdiene ich also die schreckliche Unbill, und heute seht Ihr ja selbst, dass es etwas Gutes hat!" Damit also beginnt das Gespräch, mit einem Plaidoyer für sich und seinen Handel, mit dem Versuche, die Stimmung eines Todfeindes für die Zukunft zu mildern — wobei uns ja natürlich seine Vertheidigung des Wuchers sammt seiner Berufung auf den Erzvater Jacob nicht imponiert. Aber das ist eine andere Frage. Hier geht es zunächst darum, dass Shylocks Worte zugleich den Charakter einer Bitte und eines nicht unbescheidenen Zuredens haben. Die Motivierung ist nicht richtig, denn man soll nicht Wucher treiben, aber der Schluss ist umso richtiger, dass man keinen Menschen wie einen Hund behandeln soll. Und da nun Antonio seinerseits antworten muss, wie thut er es? Nun, ich sagte es ja schon! Mit dem kraft Notwendigkeit outrierten Tone! Und damit sind wir bei einem Hauptmerkmal der ganzen Tragödie angelangt. Denn wohl gemerkt: Nicht mehr spricht aus Antonio, so correct er sonst sein mag, der reine Judenhass, die von der Kirche eingeimpfte Ueberzeugung, dass der Jude ein vogelfreies, aus der Welt auszustossendes Wesen ist; sondern die Ueberzeugung die jetzt in ihm brennt und bohrt — und dies muss ich unterstreichen, dies kann ich nicht nachdrücklich genug betonen, denn es zeigt auch von der Unbestechlichkeit Shakespeares — diese seine Ueberzeugung, sage ich, hat jetzt mit Kirchlichkeit gar nichts zu thun, sondern es ist eine sehr weltliche und brutal-egoistische Ueberzeugung: Ich bin verloren, wenn ich jetzt nicht schneidig bin, als Kaufmann bin ich verloren; Christ hin, Christ her. um jeden Preis muss ich dem Juden jetzt zeigen, dass ich ihn eigentlich nicht brauche . . . Also herbei, Schnoddrigkeit, wie ein Lieutenant in Afrika! Und es folgt Schlag auf Schlag eine Antwort verletzender, brennender, stechender, als die andere, und zwar anfangs durchaus nur per Muss, wenn auch später freilich die wieder wachgewordene Leidenschaft ihren Ton dazu gibt. So geht es fort, bis der Jude endlich sagt: „Wie? Ist der Jude ein Hund? Mich hast Du angespuckt, gestossen, getreten, hast mir einen schlechten Ruf gemacht, mich in Gegenwart der ganzen Kaufmannschaft auf dem Rialto bei hellichtem Tage wie den Abschaum der Menschheit misshandelt, und jetzt kommst Du zum Hund, damit er für Dich Geld habe

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