Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 4 (4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Schwarzbart muss nun überdies noch für die vom Staatsanwälte verfügte Confiscation der beiden Hetzblätter Schadenersatz leisten. Karlsbad. (Ein antisemitischer Badearz t.) Bei einer grossen Antisemiten-Versammlung in Berlin übarbrachte der Karlsbader Badearzt Dr. Karl Na gl in Gemeinschaft mit dem Droguisten Wilhelm Etzel (Egerstrasse, Haus „englische Krone") die Grüsse eines nicht existierenden Karlsbader Antisemitenbundes. Es wird uns nun mitgetheilt, dass Dr. Na gl auch starke jüdische Clientel besitze und dass ein jüdischer Gastwirt und Hotelier, bei welchem nur orthodoxe Kreise verkehren, ihm angeblich aus freandnachbarlichen Kreisen Patienten zuführt. Der Droguist Etzel hat einen grossen polnisch-jüdischen Zulauf für Harnanalysen, obwohl uns diese letzteren als wenig verlässlich bezeichnet werden. Da die beiden Herren ihre antisemitische Gesinnung so offenkundig zur Schau tragen, sollten unsere Glaubensgenossen daraus die entsprechenden Consequenzen ziehen. Asch. Anlässlich der missfälligen Aeusserung eines Wiener Blattes über den vom Abgeordneten Holstein in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 14. d. M. gethanen Zwischenruf: „Das jüdische Capital!" bringt die „Ascher Zeitung" einen Artikel, in welchem die 43 jüdischen Einwohner von Asch mit dem Boycott bedroht werden. Herr Holstein ist Abgeordneter der Egerer Handelskammer und Chef der Seiden-, Schafwoll- und Baumwollwaren-Fabrik E. Holstein £ Comp, in Asch mit einer Zweigniederlassung in Wien. Den Ascher Fabrikanten mag der unüberlegte Zwischenruf des erst im zweiten Wahlgange mit 15 Stimmen gewählten Handelskammer-Deputierten ungelegen gekommen sein, da sie ja in der Welt draussen bei der Kundschaft noch möglichst liberal schillern wollen und auch der Regierung gegenüber nicht in ihrem wahren alldeutschen Gewände erscheinen können, weil sie ja von oben oft Gefälligkeiten brauchen. — Die Herren haben übrigens alle Ursache, zu schweigen, wenn irgendwo das Wort „Capital" fällt; denn gerade in Asch ist es den wenigen, rein arischen Fabrikanten gelungen, binnen kaum einem Menschenalter Capitalien von weit über ^00 Millionen Kronen mit Hilfe der j üdi sehen Warenabnehmer und infolge der Hungerlöhne, die ihren arbeitenden „Volksgenossen" gezahlt werden, zu erwerben. Die Ascher Fabrikanten waren diePathen, welche die deutschradicale Bewegung aus der Taufe hoben. Die von ihnen subventionierte „Ascher Zeitung* war das erste Blatt dieser Richtung in Böhmen: von Asch wurde die Bewegung nach Eger übertragen und dann überallhin weiter verbreitet. Bei aller Egerer Demonstrationen spielten die Ascher die Hauptrolle, und auch heute noch sind sie die Drahtzieher der Schönerer. Wolf und Genossen. Jlfiefl^astei). Herrn G. R., Wien. Wir nehmen mit Vergnügen von folgender Anerkennung unserer Wirksamkeit Act, die sieh in einem Artikel der in Berlin erscheinenden ,,Allgemtinen ZeituDg des Judentbums" fiudet: ,,In der jüdischen Presse Oesterreichs wird seit einiger Zeit einer Defensiv- O rganisation der Juden warm das Wort geredet, aber mit Ausnahme der „0 e s t e r r e i c h i s c h - i s r ae 1 i t i s c h e n Union44, die — der Wahrheit die Ehre — fast Ueber menschlich es leistet, wird dieser Gedanke von keiner auderen Corporation propagiert.44 Herrn M. Kohn sen., Wien. (Für mehrere Israeliten.) Ihrer Anregung haben wir bereits im weitesten Masse Rechnung getragen. Ihr Besuch wäre uns erwünscht.