Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 4 (4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 gesagt hätte. Hilsner sei der wahre Thäter, so wäre er beleidigt (!) gewesen V e r t h e i d i g e r Dr. Meissner: „Wenn also Sim von der Unschuld des Hilsner überzeugt war, so konnte er nichts Unrechtes von Ihnen verlangen?" Zeuge Klenovec: .,Das weiss ich nich t." Richter: „Wollte also Sim von Ihnen etwas Unrechtes?" Zeuge Klenovec: „Ja, weil Hilsner der Mörder war." Vertheidiger Dr. Meissner: ,,Haben Sie dem Sim von einem höheren Auftrage etwas gesagt?" Zeuge Klenovec: „Ja, ich sagte, ich würde weiter nachforschen, wenn ich dazu den gehörigen amtlichen Auftrag bekomme." Vertheidiger Dr. Meissner: „Und was sagte Sim?" Zeuge Klenovec: „Er war damit einverstanden?4* cwespoodenzen. Wien. (W i e Ritualmordmärchen fabriciert werden.) In den letzten Tagen wurde ein etwa vor einem Jahre in Wien durch eine Frau entführtes Kind des Biehtzer Werkmeisters L ö f f e 1 m a n n in Mährisch- Ostrau bei einer armen jüdischen Obsti ändlerin Namens Brand silber aufgefunden, und die von den städtischen Organen mit aller Umsicht geführte Untersuchung ergab, dass dieses Kind durch eine unbekannte Frauensperson der genannten Wjtwe vor etwa neun Monaten in Verpflegung gegeben worden war. Diese Frauensperson erlegte jedoch bloss einen einmaligen Kostbeitrag und Hess sich seither nicht wieder bücken. Die aus Bielitz herbeigerufenen Eltern erkannten das schon verloren geglaubte Kind, und bei der Confrontierung mit der Witwe Brandsilber wurde von der Mutter des Kindes ausdrücklich constatiert, dass letztere nicht die Entführer in sei. Die Witwe Brandsilber hatte schon vor Monaten die Anzeige erstattet, dass sie ein fremdes Kind in Pflege erhalten habe, um welches sich seither niemand kümmere, und sie hatte um Uebernahme desselben in das Mährisch-Ostrauer Waisenhaus ersucht, welchem Ansuchen jedoch nicht Folge gegeben werden konnte. Trotz dieser ganz klaren Thatsache waren die Antisemiten eifrig an der Arbeit, aus dieser Affaire sofort einen Ritualmord zu fabricieren, und die Frau Brandsilber, eine arme Oebstlerswitwe, deren Mann schon seit Jahren gestorben ist, wurde sogleich geflissentlich in die Frau eines jüdischen Schächters verwandelt. Es wurde auch schon auf die fanatischen polnischen Juden, von denen M ä h nsc h- 0 s t r a u wimmelt, und auf die herannahenden Osterfeiertage aufmerksam gemacht. Jetzt ist, so schreibt die „Silesia", die Angelegenheit vollständig aufgeklärt, und die Staatsanwaltschaft hat schon alle Schritte eingeleitet, um die muthmassliche Entführerin, in welcher man eine nach Mährisch-Ostrau zuständige christliche Vagantin namens M a r e k vermuthet, die steckbrieflich verfolgt wird, zu eruieren. — Da dieser Versuch einer neuerlichen Ritualmordhetze kläglich misslungen ist, die Bluthetzer aber vor Ostern unbedingt frisch abgezapftes Christenblut haben müssen, so ist man von Mährisch-Ostrau ein paar Stationen weitergegangen. Das in Olmütz erscheinende czechisch-antisemitische Organ „Pozor" veranstaltete am 21. März ein Extra- Ausgabe, deren Inhalt ungefähr folgender war: Die bei dem jüdischen Kaufmanne Isidor David bedienstete Magd Amalie K. habe der Hausmeisterin im Hause des Dienstortes erzählt, dass sie Montag früh in sehr geschwächtem Zustande erwachte, so dass sie kaum aufzustehen vermochte und die Hausmeisterin auch ersuchte, ihr bei der Arbeit zu helfen. Abends beim Entkleiden habe sie bemerkt, dass sie an der Schulter und am Unterleib Stichwunde n habe. Ueber Anrathen einer Freundin sei sie , zu einem Arzt namens