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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 citierte Stelle aus Philo, nach welcher Kain mit seinen an Gott gerichteten Worten: „Wenn Du mich vom Angesichte der Erde verdrängst, so will ich mich auch vor Deinem Angesichte verbergen" den Gedanken ausdrückt: „Wenn ich von den Gütern dieser . schönen Erde ausgeschlossen bin, so will ich auch von der Tugend nichts wissen", die Weltanschauung des Judenthums zu besprechen, welches nicht die Weltflucht, sondern den massigen Genuss und die Freude am Leben lehre. Es sprachen noch über die politischen und humanitären Ziele der „Union": der Präsident, ferner Frau Katharina K o h n, Vorstandsmitglied des Frauenvereins in der Brigittenau, namens der Damen. Herr B r o d, Präsident des Gewerbevereines, Herr Hofbauer, Herr Bezirksrath W a 1 d s t e i n und Herr Dr. K a m i n k a, der besonders hervorhob, dass die Vereinigungen und Gemeinden von einem unerschütterlichen Optimismus erfüllt bleiben müssen, um im Gegensatze zu der häufigen Verzagtheit des Einzelnen es immer wieder und trotz der vielfach behaupteten Indolenz, mit Muth und frischer Kraft zu versuchen, ihre Ideale zum Siege zu führen, denen die kleinliche Selbstsucht und niedrige Gesinnung der Gegner für die Dauer nicht standhalten können. * * * Vor einem zahlreichen und den besten Kreisen angehörenden Publicum hielt Samstag den 16. d. M. Herr Baurath Wilhelm Stiassny einen überaus fesselnden Vortrag über das „Museum für jüdische Denkmäler44, In glänzender, zuweilen durch humoristische Apercus gewürzter Diction schilderte der illustre Vortragende die Entstehung des Museums und bot in übersichtlicher Gruppierung ein Bild von den reichen Schätzen, über welche dieses einzige' und eigenartige Institut infolge der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen aus aller Welt verfügt. Herr Baurath Stiassny hatte sich die Mühe nicht verdriessen lassen, eine Reihe wertvoller Objecte in den Vortragssaal zu schaffen und sie dem Auditorium vorzuführen. Es waren dies insbesondere eine Reihe kunstvoller Nachbildungen aus der Hagada von Sarajevo, von der Meisterhand Max Fleischers im Auftrage des kunstsinnigen Banquiers Salo Cohn gemalt, ferner ein zu Ehren des 70. Geburtstages Isac Noa Mannheimers von der Israelitischen Cultusgemeinde gewidmeter Pokal, ein Prachtstück kunstgewerblicher Technik, eine aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts stammende Bibel und ein von der Kaiserin Maria Theresia ausgestellter Schutzbrief mit deren eigenhändigen Unterschrift. Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausiührunger des Redners. ■— An den Vortrag schloss sich ein gemeinsames Mahl, bei welchem Vicepräsident Prot. E h r m a n n die Verdienste Stiassnys um jüdische Kunst und jüdisches Wesen in einem geistvollen Trinkspruche feierte. Es sprachen ferner noch die Herren Rabbiner S o r und Präsident kaiserlicher Rath Ruzicka, welcher die Aufgabe der „Union" kennzeichnete und der Hoffnung Ausdruck gab, dass in dem angestrebten jüdischen Vereinshause in erster Linie auch 4em jüdischen Museum ein würdiges Heim erstehen müsse. * » * Zur galizischen Action. Am 3. d. M. fand in Wien die constituierende Versammlung des galizischen Hilfsvereines statt, welcher die Aufgabe hat, die von der „Oesterreichisch-Israelitischen Union* und anderen Corporationen angebahnte Hilfsthätigkeit für die galizischen Juden durchzuführen. Zum Präsidenten wurde Herr Max Paul-Schiff, zum ersten Vicepräsidenten unser Vorstandsmitglied Herr Siegmund Mayer gewählt.

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