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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 C h o n j o erwähnt wird. Redner bespricht nun die religiösen Verhältnisse und die Art des Gottesdienstes, wie er sieh unter dem Einflüsse der hellenischen Bildung in Alexandrien besonders entwickelte, wobei er die Entstehung, den Wert und die Bedeutung der Septuaginta darstellt, der ersten Bibelübeisetzung, durch welche unsere heilige Schrift für alle Zeiten in die Weltliteratur eingeführt wurde. Der Vortragende citiert die im Talmud bezüglich der 70 Interpreten vorkommenden Legenden, sowie die von Aristeas und Josephus gegebenen Nachrichten und spricht die Ansicht aus, dass die Uebersetzung des Pentaleuch unter Ptolemäus Philadelphus im 3. vorchristlicheu Jahrhundert entstanden sei und die 70 Aeltesten wahrscheinlich eine Art Repräsentanz der jüdischen Gemeinde in Alexandrien waren, unter deren Aegide die Uebersetzung zustande kam, da wir wissen, dass in der jüdischen Basilika, der grossen Hauptsynagoge Alexandriens, s i e b z i g vergoldete Sitze für die Aeltesten reserviert waren. Herr Dr. K a m i n k a besprach hierauf den gewaltigen Einfluss, den die Septuaginta seit ihrem Entstehen auf die Heidenwelt ausübte, und den Impuls, den sie sowohl den des Hebräischen unkundigen Juden, wie auch heidnischen Enthusiasten gab, die Ideen des Judenthums, wie sie im mosaischen Gesetze und in den Reden der Propheten ausgesprochen sind, als höchste, einzige, für alleVölker bestimmteWahrheit zu propagieren. Als besondere merkwürdige, jüdisch-hellenistische Ereignisse hob der Redner die sibyl linischen Orakel hervor und citierte Stellen aus dem dritten, von einem jüdischen Dichter verfassten Sibyllinen-Buche, welches in homerischen Hexametern, mit sophokleischem Pathos, den einig-einzigen Gott anruft und preist, der über Cherubim thront, in jesajanischen Stile \on der herrlichen Zukunft. Israels spricht und die künftige friedliche Vereinigung der Völker zum Dienste des Ewigen in einer Weise malt, dass man glauben könnte, der Verfasser hätte die jüdischen Neujahrsgebete benützt, wenn man nicht sicher wüsste, dass er kein Wort Hebräisch verstand und seine jüdische Weltanschauung nur aus der griechischen Bibelübersetzung schöpfen konnte. Der Vortragende gieng dann auf eine Besprechung der Schriften P h i 1 o s über, des Hauptrepräsentanten des jüdisch-hellenischen Geistes, und las Stellen aus den ethischen und homiletischen Betrachtungen jenes grossen Philosophen vor, aus welchen sowohl seine Methode, Personen und Ereignisse in der Bibel allegorisch zu deuten, wie auch seine glühende Begeisterung für Gott und die Hebung der Tugend in anziehender Weise hervortreten. Wir müssen es uns versagen, die Fülle und Mannigfaltigkeit der Belehrung, welche der freie Vortrag des Herrn Dr. Kaminka — wie es von seiner bekannten Gelehrsamkeit und Gabe der Darstellung nicht anders erwartet wurde — der gesammten Zuhörerschaft bot, auch nur auszugsweise wiederzugeben. In einer schwungvollen Schlussbetrachtung über den Verlauf der alexandrinischen Periode hob der Redner hervor, dass die philonische Philosophie ohne directen Einfluss auf das spätere Judenthum geblieben sei: die Erben Philos sind der Neoplatonismus, die Kabala und das Christenthum geworden, denn es sei die Schattenseite desjüdischen Hellenismus gewesen, dass es in der eifrigen Pflege des Ideellen,, das Substanzielle im Judenthum, die Pflege des Religionsgesetzes und vor allem des hebräischen Schriftthums aus dem Auge verlor, wodurch es ohne Zusammenhang mit dem Gesammtjudenthum und ohne Wirkung auf dasselbe blieb. Dies sei eine Lehre für unsere Grossgemeinden in der Gegenwart. Wir können zwar auf die Idee im Judenthum nicht verzichten, und wir müssen die Weltstellung unseres Stammes, sowie die freie Bethätigung desselben auf allen Gebieien des öffentlichen Lebens immer im Auge behalten,, aber ebenso dringend ist für uns die Erhaltung unseres Stammes selbst, der der zuverlässigste Träger jener Ideen ist, die wir als Gemeingut der Menschheit gleich den alexandrinischen Weisen und Dichtern den Völkern verkünden wollen. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Herr kais. Rath R u z i c k a dankte demselben im Namen des Vereines. Bei dem hierauf folgenden gemeinsamen Mahle ei griff Herr Dr. Philipp M e i t n e r das Wort, um in geistvoller Anknüpfung an eine vom Vortragenden

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