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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Vereinshaus errichtet, um das wir Wiener unsere Lemberger Glaubensgenossen schier beneiden dürfen. Die Verwirklichung des schönen Gedankens kann nicht Sache der „Union" als solcher sein. Aber wir hoffen, dass sich unter ihrer Führung die werkthätigen Männer zusammenfinden werden, um das Wort unseres Präsidenten zur That zu machen. Wlittheilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". Versammlungen. Vor einem distinguierten und zahlreichen Auditorium hielt Herr Oberrabbiner Dr. Armand Raminka am 9. d. M. im Festsaale des Restaurant Knun er einen inhaltsreichen und fesselnden Vortrag über „Philo und das hellenistische Judenthum". Der Präsident, Herr kais. Rath Ruzicka eröffnete um 8 Uhr die Versammlung, indem er Mittheilungen über das erfreuliche Wachsen der Mitgliederzahl in Wien und in ganz Oesterreich machte, sowie über das energische und erfolgreiche Einschreiten der Vereinsleitung in einem von Teplitz gemeldeten Falle antisemitischer Pressübergriffe, denen sofort durch persönliche Verwendung beim Justizminister in wirksamer Weise gesteuert wurde. Der Präsident ertheilte hierauf Herrn Oberrabbiner K a m i n k a das Wort zu seinem Vortrage, indem er hervorhob, dass der Verein dem Redner besonders dafür dankbar sei, dass er, obwohl er erst vor wenigen Tagen dazu eingeladen, die Abhaltung des Vortrages bereitwillig übernommen hat. Herr Dr. Kaminka, lebhaft acclamiert, knüpfte an die Mittheilungen des Präsidenten über die Abwehrthätigkeit an und führte zunächst aus, dass wir uns über die geeigneten Mittel der Verteidigung sowie über die inneren Strömungen des Judenthums am besten durch die Lehren unserer Geschichte Klarheit verschaffen. Namentlich seien die Verhältnisse der Juden im alten Alexandrien, der ersten jüdischen Grossgemeinde ausserhalb Palästinas, für uns lehrreich, wenn auch nicht in jeder Beziehung mustergiltig. In Aegypten soll unter den ptolemäischen Königen die jüdische Bevölkerung etwa eine Million betragen haben. Die Juden besassen die volle Gleichberechtigung oder, wie Josephus berichtet, „Gleichwertigkeit44 (Jsotimia) mit den herrschenden Hellenen. Factisch haben sie mitunter das Uebergewicht besessen; zeitweise wurden ihnen die höchsten Aemter anvertraut, und, was besonders merkwürdig ist, die verlässlichsten Führer des Heeres und Landesvertheidiger waren zu mancher Zeit, wie unter Ptolemäus VI., Philometor und der Königin Kleopatra, aus Palästina eingewanderte Juden. Wir wissen dies nicht nur aus Darstellungen des Flavius Josephus, sondern auch aus Strabo und neuerdings aus aufgefundenen alten Inschriften. Wir be>itzen eine allägyptische Inschrift, in der ein jüdischer Hauptmann der Gendarmerie zur Zeit eines Königs Ptolemäus geehrt wird; eine Inschrift auf einer weissen Marmorplatte wurde erst vor kurzem von einem deutschen Alterthumsforscher aus Cairo nach Berlin gebracht, dieselbe ist als ^Ghelkias-Stein" bekannt und berichtet über einen goldenen Kranz, der dem jüdischen General Ghelkias unter der Herrschaft der Königin Kleopatra für seine Verdienste im Kriege gegen Ptolemäus Lathuros dargereicht wurde. Ein antisemitischer Philologe, Hugo W i 1 r i c h, der die N?chtichten des Josephus über die hohe Stellung der Juden verdächtigt, muss im „Archiv für Papyrusforschung" zugeben, dass die Angaben des jüdischen Historikers und Apologeten von der aufgefundenen Inschrift ergänzt und bestätigt werden. Ghelkias und sein Bruder Ananias, beide Feldherren der Kleopatra, waren Söhne des zur Zeit der Verfolgungen unter Antiochus Epiphanes, also noch vor der makkabäischen Erhebung, nach Aegypten geflüchteten Priesters 0 n i a s. der den berühmt gewordenen Onias-Tempel in Leontropolis erbaute, welcher in der Mischna unter dem Namen B e t h -

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