Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 4 (4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I an Stabilität für die angezählten jüdischen Vereine, die Oesterr eichisch-israelitische Uni on mit ihrem Rechtsschutzbureau, den Politischen Volks verein, die B n e i B r i t h, das Ferienheim und viele, viele andere! Wie wenn der Fluch des ewigen Juden hier sich zeigen wollte — immer unstet, kein Heim, kein e Zufluchtsstätte! Und doch handelt es sich um kein Capital k fond perdu, jedes Haus trägt Zins, und das zu investierende Capital, wenn Antheilscheine zu mässigem Zinsfusse placiert werden, wird und muss verzinst, in absehbarer Zeit auch rückgezahlt sein. Die ehrenwerten Männer der heutigen Festversammlung, sie sind ohne Ausnahme die Männer der Charakterfestigkeit. Männer, die an der Uebeiiieferung der Eltern und Voreltern fest und treu halten, und öffentlich es documentieren wollen — und damit das Angedenken ihrer Vorfahren in der einzig möglichen Weise ehren — sie sind diejenigen, in deren Hämje ich den Gedanken lege. Fürchten Sie nicht, dass dies in Form eines Subscriptionsbogens geschieht, nichts anderes als die Frage ins Rollen zu bringen, ist der Zweck meiner Worte : wenn Männer aus der heutigen Festversammlung sich fänden, die Frage concret zu erwägen, dann müsste der Propaganda die That bald folgen, und ein Denkmal würde für alle Zeiten erstehen, welches für die Einheit und die Einigkeit der Judeosehaft in rühmlichster Weise dauernd Zeugnis ablegen würde, ein Centraipunkt, in welchem alle jüdischen Angelegenheiten ihre Vertretung fänden! (Beifall.) Von diesem Geiste getragen, danke ich im Isamen der jüngsten Mitglieder für den Willkommgruss; mein Glas gilt der Zukunft, gilt dem Einigkeitsgefühle der gesammten Judenschaft! (Lebhafter und andauernder Beifall.) Der Gedanke der Errichtung eines jüdischen Vereinshauses ist zuerst in einer von über ICO Mitgliedein der „Union" gezeichneten Eingabe an den Vereinsvorstand angeregt worden. Die Saat, die der Präsident beim „Chewra"-Mahle ausstreute, schien auf fruchtbaren Boden zu fallen. Man drängte sich beglückwünschend um die Piedner, und Männer, die stets eine offene Hand für gemeinnützige Zwecke haben, versicherten, dass die Idee ihre vollen Sympathien besitze. Die Notwendigkeit eines gemeinsamen Heims für die zahlreichen jüdischen Vereine, die heute obdachlos von Gasthaus zu Gasthaus wandern oder in nicht entsprechenden Localitäten zur Miete wohnen müssen, ist ja wirklich nicht mehr von der Hand zu Aveisen. Unsere besten und schönsten Institutionen können nicht zur Geltung und Wirkung gelangen, weil sie in unpassenden Räumen untergebracht sind; so das Museum für jüdische Alterthümer, dessen kostbare Sammlungen in einigen Zimmern zusammengedrängt sind, die Gemeinde-Bibliothek, deren Bücherschätze in Kisten liegen u. s. w. Die politischen Vereine, die Bildungsvereim? klagen über Mangel an Besuch, weil kein geeigneter Saal für sie vorhanden ist. Im ganzen weiten, grossen Wien gibt es kein Plätzchen, wo Juden unter sich über ihre Angelegenheiten berathen könnten, ohne fürchten zu müssen, dass sie von antisemitischen Gegnern belauscht und verrathen werden. Längst hat uns die Provinz auch nach dieser Richtung den Rang abgelaufen. Selbst in dem vielverlästerten Galizien hat jüdischer Gemeinsinn eine nachahmenswerte That vollbracht. Der jüdische Handwerker-Verein „Jad Charuzim* in Lemberg hat ein prächtiges