Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 4 (4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Aber im Vergleiche zum Berliner Gentraivereine muss dieses Resultat einer gewaltigen Kraftanstrengung noch als ein sehr bescheidenes bezeichnet werden. Geradezu kläglich ist die Rolle, welche die Wiener Judenschaft, insbesondere die „oberen Zehntausend" derselben spielen. Auch die stärksten Reizungen — und wir haben solche nicht unversucht gelassen — vermochten sie aus ihrer fatalistischen oder egoistischen Gleichgiltigkeit nicht emporzurütteln. Während die Provinz in heller Begeisterung unserem Werberufe Folge leistet, verharrt die grosse Masse unserer Wiener Glaubensgenossen in dumpfer und stumpfer Trägheit. Das soll uns nicht abschrecken, auf der betretenen Bahn unermüdlich fortzuschreiten. Das erhebende Vorbild unserer reichsdeutschen Glaubensgenossen gewährt uns Stärkung und Ermuthigung. Aus den Tausenden müssen Zehntausende, aus den Zehntausenden Hunderttausend werden. Wer nicht feige Unrecht dulden und Schimpf erleiden, wer seinen Kindern ein besseres Schicksal sichein will, als ihm selbst beschieden war, der werde ein Kämpfer in unseren Reihen, der folge der Fahne entschlossener Abwehr, welche die „Oesterreichisch-israelitische Union" in Stadt und Land aufpflanzt!j S. F. Ein jüdisches Vereinshaus. Bei dem am 10. März d. J. stattgefundenen Brudermahle der Wiener „Chewra Kadischa*' hielt der Präsident der „Oesterreichisch- Israelitischen Union", Herr kais. Rath Adolf Ruzicka, folgende mit allseitigem Beifalle aufgenommene Ansprache: „Geehrte Festversammlung! Herr Dr. Spitzer hatte die Güte, den jüngsten Mitgliedern der „Chewra-Kadischa" im Namen der Versammlung seinen Gruss zu entbieten; in diesem Grusse liegt die Aufforderung, die Tradition der Vorfahren, welche in diesem Vereine zu allen Zeiten, in allen Gemeinden aller Zonen, in Bethätigung pietätvollen Wirkens festgewurzelt ist, zu bewahren — und im Namen dieser jüngsten Mitglieder leiste ich das Gelöbnis, diese altehrwürdige Tradition treu zu behüten und unseren Nachfolgern in dem gleichen Geiste zu übergeben, in welchem wir sie vorgefunden. (Beifall.) Ich möchte jedoch den Anlass unseres Zusammenseins nicht vorübergehen lassen, ohne die Aufmerksamkeit der geehrten Festversammlung für einige Augenblicke nach aussen zu lenken; gehen Sie durch die Strassen Wiens, da finden Sie in allen Theilen der Stadt Häuser, welche den Concentrationspunkt einzelner Gesellschaftclassen bilden, von dem Adelscasino bis zu den katholischen Gesellen vereinen herab; nun sehen Sie sich weiter um, in dem ganzen Bannkreise von Wien finden Sie nicht eine Stätte, welche der Vereinigung unserer Glaubensgenossen bestimmt wäre — trotz der 150.000 jüdischen Seelen (Beifall), unter denen das gütige Geschick manche mit irdischen Glückgütern gesegnet hat, gewiss zu unserer innigen Befriedigung! Ich bitte Sie, die Räume der Isr alitischen Alianz zu besichtigen, geradezu unwürdig zu ihrem Bestände; sehen Sie die Räume der Gemeindebibliothek an, welche Bücher in Kisten liegen hat, die unzulänglichen des Museums für historische Denkmäler des Judenthums, in denen kein Raum für die Aufstellung des dermaligen Besitzes, geschweige eines zukünftigen sich befindet; betrachten Sie den Mangel