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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Samern Stande, das ist sein Noblesse oblige, und weicht er davon ab, dann ist eben etwas nicht recht . . . Und Bassanio bemerkt das Stutzen und Lachen des Mannes und meint beinahe verletzt: „Wie, zweifelst Du an der Bonität dieser Bürgschaft?* Worauf nun Shyiock antwortet: „Ah, so weit sind wir nicht! Gewiss ist der Mann gut, und zwar trotz etwaiger momentaner Geldknappheit" . . . Und er lacht wieder. Denn „Sieh, sieh, es ist doch eine Satisfaction. kommt der stolze Herr $iueh einmal zu uns? Und welch ein Reiz für den Witz, sich zu sagen: Schliesslich besteht seine Habe doch nur aus schwimmendem Gut, und das könnte man am Ende wirklich unsicher nennen, und es wäre doch ein Spass, wenn man dem hochmüthigeri Gesellen so ins Gesicht sagen könnte: bei haarscharfer Abwägung aller Risken weiss ich nicht, ob es die Vorsicht nicht gebieten würde, Dir die absolute Bonität zu bestreiten. — Es wäre doch hübsch, nicht wahr, sich so den stolzen Herrn anzusehen, der uns nur immer flucht und tritt, anzusehen, wie er die Farbe wechselt und ruhig die Beleidigung einsteckt und sich hübsch aufs Bitten verlegt; denn diesmal wird er wirklich nicht speien, das Speien hat bei diesen Herren ein Erde, wenn die Geldnoth kommt . . . Aber das sind ja nur so Witze, die man sich im Innern ausmalt; Weg damit, Antonio ist Antonio, und eigentlich ist es ein Glücksfall, dass er sich an mich wendet; wer weiss, er hat Ansehen und Einfluss auf dem Markt, und vielleicht kann man es doch machen, dass er wenigstens sein Benehmen gegen mich ändert . . Dies sage ich, denkt sich Shyiock. und man muss es nur aussprechen, um einzusehen, dass er in seiner doppelten Eigenschaft als Geldmensch, sowie als verachteter und getretener Jude jetzt unmöglich etwas anderes denken kann. Sich vielletcht den Mann verbinden, sich ein Ende der thierischen Behandlung sichern — ist denn das gar nichts? Ist das allein nicht schon ein ungeheurer Profit? Aber dabei hat ihn die Satisfaction, den rücksichtslosesten Feind so hübsch als Petenten zu sehen, doch in die heiterste Laune versetzt, so dass er nun doch wieder eineu Witz macht, indem er auf Bassanios Bemerkung: „Sei überzeug^ dass Du die Bargschaft annehmen kannst," mit dem Worte erwidert, das anders als lachend gesprochen gar nicht gedacht werden kann; „Ich will überzeugt sein, und damit ich überzeugt sein «oll, will ich überlegen, ob ich sie wirklich annehmen kann Nehmen Sie nun das alles und fragen Sie sich: Ist da wirklich schon für einen Dolus Raum? Stürzt sich Shyiock wirklich wie ein Raubthier auf das Opfer, das ihm in das Netz gelaufen kommt, oder nimmt und tractiert er nicht vielmehr die Sache rein geschäftlich? Ja, ich bitte, bemerken Sie doch nur, um was für Minima sein Interesse kreist. Er erörtert den Betrag, die Frist, die Situation des Bürgen und macht dabei Witze nach seiner Art; und noch mehr! er vergisst nicht einmal an einen kleinen geschäftsmässigen Kniff, der besser als alles andere beweist, dass er mit allen Sinnen beim Geschäfte ist. Nämlich, ich weiss nicht, ob einer von Ihnen je in der Lage war, sich Geld auszuleihen; mir bitte ich zu glauben, dass ich schon in dieser Lage war, und noch immer wurde in einer solchen Situation von dem Geldgeber gesagt: „Ich habe das Geld nicht vorräthig, aber ich werde trachten, es zu beschaffen/ Und die Bedeutung dieser Worte liegt auf der Hand: hat einer Mühe, mir das, was ich brauche, zu verschaffen, so kann er noch so und soviel mehr von mir verlangen. Und siehe da, selbst diesen Kniff lässt Shyiock nicht ausseracht — und speculiert man so schon auf Antonios Fleisch? Gienge es ihm jetzt schon darum, dann würde er dem Manne ja das Geld auf den Präsentierteller entgegentragen 1 So stehen also die Dinge, als zufällig Antonio des Wege kommt. Bassanio, der ihn gewahrt, eilt ihm entgegen und spricht: „Hier ist Shyiock, von ihm sollen wir das Geld erhalten." Wie er dies spricht, durchzuckt aber den Kaufmann ein wahrer Schrecken. „Wie, Shyiock? Das ist fürchterlich! . . . Nicht wegen der Zinsen, aber in den Händen eines Wucherers sein, das ist für den Besitzer eines intacten kauf-

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