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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 nehmen, wie einer roth oder blass wird, und wie er blickt oder mit der Antwort stockt und ihm der Athem plötzlich kurz wird. Es geschieht also, sage ich, dass Antonio sich eine Secunde lang über das Brückengeländer, an dem er lehnt, hinabbeugt und in die Tiefe da unten starrt und für sich die schmerzhaften Worte flüstert: „Das auch noch!" Denn wie ist ihm mit einemmale zu Muthe! Kann er einfach „Nein" sagen? Von dem besten Freunde sieht er sich jählings zu dem bittersten und aueh gefährlichsten Geständnisse gezwTungen: Zahlungsnoth . . . die Schiffe fängst fällig, kommen nicht. „Mein Gott, was soll ich denken? Und ich habe sonst nichts Verfügbares, bin selbst schon in Verlegenheit, und wenn bekannt wird, dass ich Bargeld aufnehmen muss, dann wranke ich von selbst. . . Also triviale kaufmännische Calculation eines in Bedrängnis befindlichen Geschäftsmannes. Aber auf einmal wird es dramatisch, — denn jetzt geht es nicht anders, der Melancholiker muss herausrücken mit dem Grunde seiner Melancholie! Aber geht es wohl, das alles so herauszusagen? Das thut selbst die Verzweiflung nur im äussersten Augenblick, und jetzt im Gegentheil muss man noch gute Mienen machen, den Schein aufrechterhalten, dass es etwas Unbedeutendes ist und mit: „Nein, das ist doch ärgerlich* und „Nein, das ist zu dumm" den Schein hervorrufen, dass das Fatalste daran ist, dass man dem Freunde mit einer solchen Lappalie nicht gleich dienen kann. Wird so aber das Ganze zu einer blossen Kleinigkeit gemacht, dann kommt nothgedrun^en und von selbst das Wort auf die Lippen: „Weisst Du was, schaff' Dir die Lappalie, ich bürge natürlich für alles" — denn einen anderen Beweis für <Me Geringfügigkeit der Situation hat ja der um den Schein Bangende nicht mehr. Und dann heisst es weiter: „Such' Du nach dem Gelde,"ich wrerde auch suchen/ Dem Edelmanne klingt das selbstverständlich und einfach, und doch ist dabei das Seltsam-Komische, dass eben ein junger Cavalier herumgehen muss, um Geld aufzutreibea für einen, d er ein aufrechter Firmenchef ist! Denn wohlgemerkt, das Suchen muss eben dem Bassanio überlassen bleiben. Antonios Credit ist doch wohl schon zu stark überlastet, const hätte er ja ruhig sagen können: Warte bis morgen, ich kann ja mühelos den Betrag aufnehmen — und nun geht die Handlung um eine Etappe weiter, denn was soll Bassanio jetzt thun? Nun, es steht im Stück. Beziehungen zu Geldverleihern hat er nicht, bisher hat ihm ja immer Antonio geholfen. Er klagt also seinen Freunden seine Noth, und da ist einer, Lorenzo, der weiss lachend Rath. Denn er kennt einen Mann, an den man sich bequem wrenden kann, und er "denkt an ihn sogar mit besonderem Vergnügen: „Natürlich bin ich seine Kundschaft," spricht er, „und Du wirst es mir schon glauben, umsonst hat er mir niemals Geld gegeben. Aber ich verzeihe ihm alle Percente, die ich je gezahlt habe, denn ich habe ihm so unter der Hand halb schon seine Tochter Jessica abwendig gemacht. . ." Und so macht sich also Bassanio auf den Weg, und bei der nächsten Wendung schon stehen wir vor dem Huaptproblem, vor dem Geheimnisse dieses Stückes, vor der Frage: Was ist dieser Shylock, Bestie oder Mensch? Lassen Sie uns aber nun ganz langsame Schritte machen : denn wir haben, criminell gesprochen, nach einer Absicht und nach dem Augenblicke ihrer Entstehung zu suchen; und so ein Augenblick, wo in der Seele etwas zum erstenmale aufglimmt, das ist wie ein Pünktchen von Sandkorngrösse, und nach solchen Pünktchen, nach Stecknadelköpfchen gleichsam, sucht man nicht mit Eilzugsgeschwindigkeit vom Eisenbahnwaggon herab. 300 ) Ducaten auf drei Monate, wofür Antonio Bürge sein soll — nicht ein Wort verräth, dass Shylock die Sache anders nimmt und tractiert, denn als (las, was sie ist, nämlich als geschäftlichen Antrag. Nur stutzt er einen Moment, denn ihm fällt das Ueberraschende an der Sache im Augenblick auf: Wie, ein grosser Kaufmann, ein Millionär, verbürgt sich gewöhnlich nicht; wenn er helfen will, öffnet er die eigene Geldlade, denn der Umweg der Verbürgung passt nicht zu

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