Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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i*; verstehen, und wusste : Thier ist Thier, nur wälzt sich daeinp lieber im Schmutz und das andere lieber im Golde, und der Himmelsstrich wo sie geboren, die Religion, in der sie erzogen sind, die Nation, der sie angehören, begründet keine Ausnahme, und am Golde hängt, nach Golde drängt alles, mit PreisgebungMes eigenen Glückes und der eigenen gottgeschaffenen Seele . . . Und dazu noch ein anderer Gedanken- und Gefühlscomplex. Denn, sagt sich die arme amerikanische Braut, was für ein Elend und was iür ein Jammer, dass mein Vater mir das angethan. Dem Zufall bin ich preisgegeben, eine Losnummer, die zufallen wird, wem, ach. wem? Da sieh* den Germanen! Wie ist er heute noch, in der Shakespeare'sehen Zeit, so wild und rauh und allem Zartgefühl fremd, und zerstampft, wenn in ihm der Furor teutonicus erwacht, alles unter seinen Füssen, ganz so wie damals, als er sich noch Vandale nannte und alles, was hold, gut und schön war. roh zerschlug! Dann sieh den Franzosen — wie äusserlich, wie windig und leer: wie geckenhaft an Geist wie im Rock, alle Sinne auf Schein und Repräsentation, auf das Gefallen- und Brillieren wollen gerichtet: und lächerlich darin, und aus dieser lächerlichen Spielerei mit Tand und Schein eine Treulosigkeit hervor wachsend, die die Charaktere leicht bis in das innerste Mark vergiftet! Und dann der Engländer — denn Shakespeare ist gerecht und macht aus dem Charakterelend der anderen kein Piedestal für seine Natur -- trinkt er nicht? Beherrscht er sich? Ist er nicht wie ein willenloses Geschöpf den Anfällen irgend eines Kollers unterworten und ist er von der .Mordlust frei, die in den Geschlechtern seiner Könige herrschte, und würde er nicht, wenn es darauf ankäme, vielleicht auch wie sein König Jakob der Hinrichtung seiner Mutter zustimmen, wenn er dafür 600.000 Goldgulden und die Zusicherung einer fetten Erbfolge erhielte? . . . Und so ist es auch mit dem Spanier, der da mit seiner silbernen Aeusserlichkeit daher kommt, der fühllos ist. wenn er fühlen soll, mattherzig, wo ein Wurm empfinden müsste. und der mit Hilfe von Doggen seine metaphysischen Anschauungen verbreitet. Stiere von Menschen. Menschen von" Stieren tödten lässt, und mit Hunden auf arme Wesen Jagd macht, die er Wilde nennt, weil sie nicht seines Glaubens sind und weil er ihre Gold- und Silberbergwerke braucht. Ja, das ist die Gesellschaft, deren Repräsentanten da aus allen Weltgegenden zusammenströmen, und auch der Sohn der Wüste, der heissen Zone fehlt nicht, der Marokkaner mit dem Minimum von einem Gehirn, dessen ganze geistige Thätigkeit im Wüstensande verlief und von dem die Welt zu ihrem Nutzen nichts weiter zurückbehielt, als einige Teppiche und Zieraten und gutgeschweisste Schwerter, um damit Köpfe abzuschlagen. Und die ganze Welt also, die Vertreter von zwanzig Nationen, geben sich hier Rendezvous: jeder den Typus seiner Nation darstellend. — jeder mit einem Abbruch der Menschlichkeit, und zwar mit Schädlichkeiten, die fast den ganzen übrigen Rest des menschlichen Wesens aufheben: und bei den Besten von dem holden Bilde der Menschlichkeit nur ein Torso, und bei vielen nur noch Trümmer und Splitter von dem Bilde . . . Und die Rechnung, die dabei herauskommt? Shakespeare macht sie für uns alle, Porzia aber im Augenblicke nur für sich. Für sie steht es fest: sie ist unglücklich; Shakespeare aber sieht, dass man all diesen einzelnen, all diesen Völkern, all diesen Christen Abbruch und Schädlichkeit nicht anrechnet. Nein! Trotz alledem ist es dem Deutschen gestattet, stolz sein Haupt durch die Welt zu tragen: dennoch begreift man den Engländer, wenn er stolz ist, und den Spanier, wenn er sagt: ich habe mehr Ursache, stolz zu sein, als jeder andere. Und ist es nicht wunderbar? Jeder sieht den anderen, jeder kennt nur allzu genau die typischen Fehler des anderen, und dennoch schweigt die Stimme des Ürtheils und jeder sagt zum anderen: Du bist Menscht denn du bist Christ. Und nun denken Sie sich — aber ist es nicht Wahn, Ihnen das auch nur zuzumuthen? Gerade das, was ich Sie bitten will, jetzt zu denken, ist ja einfach undenkbar! Unsere Phantasie kann mit