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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Nun reicht meine Phantasie nicht aus, um genau zu verfolgen, wie in dem Kopfe des Dichters diese Fäden sich weiter spannen : aber mir scheint, als der alte Mann im Sterben lag und zum letztenmaie mit brechenden Augen auf seine Tochter sah, da regte sich ein letztes Wünschen in ihm, und es hätte sich leichter sterben lassen, hätte eineben ihr den jungen Edelmann gesehen. Und darum auch, meine ich, hatte vorher schon eine gutmüthige Intrigue gespielt, vermitteist derer dann dem Bassanio die Ahnung sagen konnte es werde ihm im Kästchenspiel nicht misslingen, wenn er nach ßelmont käme. Wer weiss, vielleicht hat sogar in seinen Reden irgend etwas den ersten Anstoss zu diesem Spiel gegeben, zu dieser Abwägung von Gold- und Silberglanz, der trügerische und erbarmungswürdige Nichtigkeit einschliesst. und dem schlichten Metall, in dem das Beste sich birgt, und das die Thorheit ob seiner Schlichtheit nicht begehrt. Und wer weiss, sage ich, vielleicht sagte sich der Sterbende: Wenn Bassanio kommt, dann wird mein Kästchenspiel aufhören, ein Zufallsspiel zu sein, und es wird offenbar werden, dass ich mein Liebstes keineswegs der vagen Rathelust preisgebe, sondern dass dieses Spiel so recht die Probe auf den Charakter einschliesst ... Aber nein, lassen wir das, ich verliere mich bereits zuviel in das „Vielleicht" und „Wer weiss". Kehren wir zu dem bestimmt Gegebenen zurück. Der junge Cavalier fühlt sich irgendwie ermuthigt, um Porzias Hand zu werben. Aber Sie wissen ja, er findet darin starke Concurrenz. Alleinige Erbin eines geradezu ungeheuren Vermögens, sah sie aus der ganzen Welt der Christenheit, wo man immer nur theoretisch nach den Dingen aus jener Welt ausschaute, Freiwerber erscheinen, und sie alle trieb nach Belmont — welches Gefühl wohl, welcher Grund? Hatte ihrer auch nur ein einziger das Mädchen vorher gekannt? Ja. hatte sie einer auch nur wenigstens mit seinen Augen gesehen, geschweige denn sich ein Bild von ihrem Charakter gemacht? Ja, man wird nur sagen: Wer wird den zweifellos anekdotenhaft dünnen Einschlag in den Voraussetzungen eines Lustspiels so furchtbar sachlich und realistisch nehmen? Aber ich antworte: Aus einem Stück, das sich also zweifellos auf einer Anekdote aufbaut, macht man eine Geisel für uns, um immer und immer wieder in die Gewissen den Glauben an die verruchte jüdische Geldgier hineinzupeitschen, und ich sollte nicht das Recht haben, die anderen in dieser Anecdote mitlaufenden Fällen zu betrachten, die anderen Leitungsdrähte, welche zur Jeunesse d'oree der Zeit hinführen und zeigen, dass sie ganz ebenso wie der Jude voller Geld- und Habgier war? Wie! Bedenken Sie doch: vielleicht war Porzia mit all ihren Millionen und ihrer gepriesenen Schönheit eine Manon Lescaut, eine Margarethe, eine in Blut und Unglück gebadete Messalina, und nicht einem einzigen dieser idealistischen Jugend fiel es ein, sich zu sagen: Ich gehe dahin, um mich für Lebenszeit an ein Wesen zu ketten, ohne ihre Art zu kennen . .. Vielleicht ist sie vom Geschlechte derrömischen Marozzien, vielleicht in einer Person Phryneund Kiytemnästra, von der Frage gar nicht zu sprechen, ob sich bei Abwesenheit dieser schlimmsten Voraussetzungen auch nur Herz, zu Herz finden wird? Und dennoch werbe ich um sie! Und es ist also offenbar: das nackte Geld, die amerikanische Mitgift allein bestimmt mich zur Werbung — nicht die Seele, sondern das Geld allein! . . . Und da müssen wir uns doch sagen : Wenn je in unseren Büchern und Gesprächen und Arbeiten über die Unmoral der Convenienz-Partien abgeurtheilt wurde so standen die Gesinnungen, mit denen man diese Convenienz-Ehen, abschloss, doch noch thurmhoch an Sittlichkeit über den Gedanken, mit welchen diese Herren aus der Christenheit dahinzogen, um in einer Lotterie sich eine Ehefrau zu ziehen. Denn siehe, da kamen sie, die Prinzen, Markgrafen, Grafen und Adeligen aus allen Landen, und da sass nun die arme reiche Erbin mitten in ihrem Reichthum und sog Verachtung vor ihnen allen und ihrer schmutzigen Goldgier ein, und verstand das Problem besser, als unsere Kritiken es

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