Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 erfreulich, dass nun auch in Oesterreich dieErkennfcnis sich Bahn gebrochen hat, dass nur durch den Zusammenschluss und durch energische Selbstvertheidigung der Antisemitismus zu bezwingen ist. Wir wünschen von ganzem Herzen, dass die Bestrebungen der „Union" von Erfolg gekrönt werde n." In dem erwähnten Aufrufe haben wir die Zahl der Mitglieder des „Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" auf über 30.000 veranschlagt Wir haben damit offenbar zu tief gegriffen, denn die Redaction bemerkt hierzu : „Die Zahl unserer Mitglieder ist weit grösser, als die Wiener Herren annehmen." Wir können diese Thatsache nur neuerdings unseren österreichischen Glaubensgenossen als anspornendes und nachahmenswertes Bei'spiel hinstellen und erwidern die freundlichen Gesinnungen des Berliner Centraivereines mit brüderlichem Grusse und den aufrichtigsten Wünschen für dessen Gedeihen. orrespondenzetv Wien. In Spanien kracht es in allen Fugen. Nach dem Recepte der Antisemiten sind die Juden der Grund alles Unglücks, sagt ja schon Treitschke: „Die Juden sind unser Unglück." Aber in Spanien! Da gibt es keine Juden, nicht eine einzige Synagoge ausser denen, welche die Inquisition in Kirchen verwandelte. Wer ist da das Unglück? „Die Jesuiten," schreien die Spanier und stürmen die Klöster. Der Cassationshof in Madrid hat verfügt, dass die Adele Ubao, ein katholisches Mädchen von 24 Jahren, das sehr reich ist und das gegen den Willen der Eltern ins Jesuiten-Kloster gieng, den Eltern zurückzugeben sei. Michalina Araten aber wird von den Krakauer Felicianerinnen noch immer gefangen gehalten. In Oesterreich hört die Staatsgewalt noch immer vor den Klosterpforten auf, während sie sogar schon in Spanien in die Geheimnisse der Klöster eindringt! Wien. Aufgemuntert durch das Beispiel des preussischen Justizministers, hat Herr S c h ö n e r e r im Abgeordnetenhause eine Interpellation betreffs der Ueberhandnahme des Judenthuras in den gelehrten Berufsständen, insbesondere auch im Richteramte, eingebracht. Unter Hinweis auf die Haltung des preussischen Justizministers wird der Ministerpräsident gefragt ob er Sorge tragen wolle, dass in allen Zweigen der Staatsverwaltung künftig Juden nicht mehr oder nur in Ausnahmefällen angestellt werden. Herr v. Spens- B o o d e n wird hierauf hoffentlich die richtige Antwort finden. Budweis. Das hiesige jungczechisch-radicale Organ „Jihoceske Listy", das oft in Judenhetze arbeitet, veröffentlicht seit längerer Zeit ein in Fortsetzungen erscheinendes Feuilleton unter dem Titel: „O Zidostvu v zemich koruny Ceske" („Das Judenthum der Länder der böhmischen Krone41), das unter dem falschen Gewände der Geschichte die ärgsten Aufreizungen gegen die Juden enthält. So heisst es darin, dass unter Wenzel zehn Juden einen Priester, welcher das Altar-Sacrament zu einem Kranken trug, mit Steinen bewarfen, dass die Menge sodann 3000 Juden mordete und ihre Häuser in Brand setzte: dass ferner unter Vladislav I. der berechtigte (oprav nene), Hass der Bevölkerung gegen die Juden zum Ausbruche kam, dass im Jahre 1504 bei Strakonitz