Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9756662-9602173-9602220--0055-9602226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Schule. Das jüdische Volk hatte die diesbezügliche erste Anregung mit grösster Begeisterung aufgenommen und alle Bestrebungen nach dieser Richtung hin kräftigst gefördert. Besonders hervorzuheben ist die hohe Stellung, die der Talmud dem Lehre]* anweist. Die Lehrer sind die Säulea der menschlichen Gesellschaft, der sittlichen Weltordnung, denn sie erziehen die Generationen zur Sittlichkeit, zu einem gottgefälligen und menschenwürdigen Leben. Es wird darauf hingewiesen, dass, während bei den höchstentwickelten Völkern des Alterthums nur einige Auserwählte in das Wissen ihrer Zeit eingeführt wurden, im Judenthum die Pflicht des Lernens auf alle Kinder ohne Unterschied ausgedehnt war. Ausgangspunkt und Endziel alles Studiums ist für den Talmud die Gottesfurcht. Und die Juden wussten, dass die Religion der einzige Boden sei. in dem ihre Kraft wurzelt. Wir begnügen uns für heute mit diesem kurzen Auszuge, da der Vortrag in unserer nächsten Nummer im vollen Wortlaute erscheinen wird. Dr. Taglicht schloss mit den Worten des Talmud: „So lange die jüdischen Kinder in ihren Schulen mit der Thora sich beschäftigen, bleibt Israel unüberwindlich/ Anhaltender, stürmischer Beifall folgte den in hohem Masse fesselnden Ausführungen des Vortragenden. Bei gemeinsamem Mahle entwickelte sich sodann üljer das Vortragsthema und über verwandte Gebiete eine sehr anregende Discussion, an welcher sich die Herren Prof. Dr. E h r m a n n, Director S i m o n, kais. Rath Ruzlcka, Dr. Bloch, Dr. M ü n z, Dr. Jakob Kohn und Rabbiner Dr. Taglicht betheiligten. * Wandervorträge der „Oesterreichisch-Israelitischen Union". In den letzten Wochen hat der Leiter unseres Rechtsschutz-Bureaus, Secretär Siegfried Fleischer, seine Wandervorträge in Wien, Nieder- und Oberösterreich fortgesetzt Es wurden abgehalten : Sechs Versammlungen im zweiten Wiener Bezirke (L e o p o 1 d s t a d t), eine Versammlung im zehnten Wiener Bezirke (Favoriten), zwei Versammlungen in Baden bei Wien, je eine Versammlung in Floridsdorf, Stocker au, Krems, S t. P ö 11 e n, M i s t e 1 b a c h und Linz. Bei all diesen Zusammenkünften gab sich das lebhafteste Interesse für die von der „Union" angestrebte Defensiv-Organisation aller österreichischen Juden kund, und es traten derselben circa 700 Mitglieder aus den genannten Städten und Bezirken bei. — Mit aufrichtiger Befriedigung verzeichnen wir die Thatsache, dass auch unter den jüdischen Frauen sich ein reger Eifer für unsere Bestrebungen zeigt. In Krems entsendeten die anwesenden Frauen die Gattin des ehrwürdigen Rabbiners, Frau Weiss, um dem Vortragenden und der „Union" den Dank der Frauen abzustatten, und in einer Versammlung beim „Goldenen Widder" in der Leopoldstadt trat Frau Katharina Koh ^Vorstandsmitglied des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, auf die Tribüne, um ihre Glaubensschwestern in ergreifenden Worten zu rastloser Agitation für die „Oesterreichisch-israelitische Union" aufzufordern. sfc Unsere Monatsschrift findet im Jänner-Hefte der vom „Centraivereine deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Berlin herausgegebenen Zeitschrift: „Im Deutschen Reich" sympathische Besprechung. Die Redaetion citiert die markantesten Stellen unseres „Aufrufes an die gesammte Judenschaft Oesterreichs" und schreibt hierzu : „Es ist hoch-