Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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aber nur darin bestehen wird, die Judenschaft zersetzt und einigen Schwärmern und Strebern zu Erfolgen verholfen zu haben, um dann, haltlos wie sie ist, in sich zusammenzubrechen. Sollte der Zionismus als Wortführer derselben inzwischen hinsichtlich der Colonisation Erfolge erzielen, was jedoch in Anbetracht des erwachten Misstrauens der Türkei nicht zu erwarten ist, so werden wir dieselben freudig begrüssen, denn wir verkennen nicht, dass die ökonomische Nothlage der Juden vielfach eine grosse ist. Mittheilungen der „Oesterr. lsraelit. Union44. Samstag den 9. Februar hielt Reichsraths-Abgeordneter Doctor Julius Ofnervor einem zahlreichen Publicum in der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" einen Vortrag, in welchem er die Bilanz aus den letzten Reichsrathswahlen zog. Die Ausführungen des Vortragenden gipfelten in dem Satze, dass die Juden trotz aller Anfeindungen sich als freie Staatsbürger fühlen, und bemüht seih müssen, im Vereine mit allen anderen treisinnigen Elementen die clericale Reaction zu bekämpfen. Dem Vortrage folgte stürmischer Beifall. Es entwickelte sich sodann eine animierte Debatte, an welcher sich die Herren Architekt Marino rek, Dr. Meitner, Bezirks-Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, Secretär Fleischer, Dr. Bloch und Dr. Ofner betheiligten. * Samstag den 16. d. M. fand im Restaurant Khuner eine Vereinsversammlung der „Oesterr.-Israelit. Union" statt, welche von einem sehr zahlreichen, distinguierten Publicum besucht war. Unter den Anwesenden befanden sich u. a. der Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde Landes- Schulrath Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Bezirks-Schulrath Dr. Marcus Spitzer, Director Dr. Simon, Architekt Max Fleischer, Ober-Ingenieur Arthur von M i s e s, H. Eltb o gen, ferner Director Heller, kais. Rath Schefftel, Custos Dr. Münz etc. Auch viele Damen bekundeten ihr reges Interesse für die eifrige Thätigkeit, welche •die „Union" entfaltet. Präsident kais. Rath Ruzicka eröffnete die Versammlung mit einigen allgemeinen Mittheilungen. Mit lebhaftem Beifalle wurde die Bekanntgabe begrüsst, dass die Zahl der Vereinsmitglieder innerhalb einer Woche um 140 gestiegen sei und bereits 2800 betrage, und dass die Werbearbeit unausgesetzt fortdauere. Hierauf hielt, sympathisch begrüsst, Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t den angekündigten Vortrag über „die ältesten jüdischen Volksschule n". Auf Grund talmudischer Quellen entwarf Dr. Taglicht ein Bild von der Gründung und Fortentwicklung der jüdischen Volkschule. Ohne Deuteleien wurden die pädagogischen Einsichten der Rabbiner vorgeführt, die spärlichen Notizen über Entstehung, Einrichtung der Schulen, über die Methode des Unterrichtes zu einem abgerundeten Ganzen verarbeitet. Ueberraschend ist die Wahrnehmung, dass die moderne Erziehungslehre über die im Talmud niedergelegten pädagogischen Grundprincipien nicht gar weit hinausgekommen ist So lautet die Verordnung des Schuloberhauptes Abba Areka, dass Kinder vor dem sechsten Lebensjahre zum Unterrichte nicht zuzulassen seien. Gründlichkeit, knappe Vortragsweise ist die erste Anforderung, die an den Lehrer gesteilt wird. Das Kind solle womöglich die ganze Schulzeit hindurch bei einem Lehrer bleiben, damit Verschiedenheit der Sprache und Methode das Kind nicht verwirre u. a. m. Den ersten Anfängen zur Gründung der Volksschule begegnen wir 200 Jahre v. Ch. Hundert Jahre später gibt es in Palästina kaum eine Gemeinde ohne