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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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i sich die Juden allein helfen, und sie dienen in ihren, bis zu einer gewissen Grenze begreiflichen Irrthümern bewusst und unbewusst der grossen Feindin cultuieilen Fortschrittes: der Reaction. So lange diese aus den nationalen und sonstigen Wirren des Reiches, welche sie in Erkenntnis des hohen Wertes, den dieselben für ihre Zwecke haben, unausgesetzt nährt, ihre Kräfte ziehen darf, so lange ist an eine Besserung der allgemeinen, also auch der Lage der Juden, nicht zu denken. Inzwischen kann wohl jüdische Kleinarbeit da und dort manches Gute leisten, vermag jüdisches Parteileben die verdüsterten Gemüther vorübergehend aufzuhellen, indem es dieselben mit der Hoffnung auf Erfolge erfüllt, allein wirklich zu helfen vermag es nicht, denn es fehlt ihm die wichtigste Voraussetzung für die fruchtbare Thätigkeit einer Partei: Das Ansehen und der Einfluss auf die massgebenden Factoren des Staates und der Gesellschaft, deren, Interessen derzeit den jüdischen diametral entgegengesetzt sind. Jetzt wie im Vormärz kann also die Judenschaft nur aus der vollen Hingabe an die politischen Ideale, welche ja auch damals schon zum Theile social politische waren, Halt und Kraft schöpfen, und nur eine allgemeine, durchgreifende fortschrittliche Bewegung kann ihr zum Nutzen gereichen. Wer genau hinsieht, wird finden, dass der äussere Antisemitismus seinen Höhepunkt überschritten hat, denn man scheint nachgerade zur Einsicht gelangt zu sein, dass Excesse, wie solche im grossen in Galizien und Böhmen sich zugetragen haben und im kleinen sich fast täglich da und dort abspielen, die öffentliche Ordnung aufs Höchste gefährden und die Civilisation schwer schädigen, und verfolgt nun. nachdem man lange genug wohlwollend der Entwicklung der Bewegung zugesehen hat, die bethörten Thoren mit der ganzen Strenge des Gesetzes. Die Richtigkeit dieser Behauptung erhärtet ein strenger Rechtsspruch, welcher in den letzten Tagen von einem Wiener Richter einem antisemitischen Excedenten gegenüber mit der interessanten Begründung gefällt wurde: dass der Fall „symptomatisch*4 sei. Diese Strenge im Vereine mit den wachsenden Uebergriffen des Clerus muss früher oder später der gedankenlosen Menge über die wahren Ziele des Antisemitismus die Augen öffnen und sie zu der Erkenntnis führen, dass derselbe nicht Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zwecke ist. Und nur auf diesem Wege ist Besserung zu erwarten. Wo so viel Trennendes vorhanden ist, kann nur ein grosses Gemeinsames einigend wirken, und das kann bei der heutigen Lage der Dinge nur die Reaction sein, vorausgesetzt, dass nicht unvorhersehbare politische Ereignisse die Gemeinsamkeit erwecken werden. Je schärfer die Reaction auftreten wird, desto schneller wird die Besserung erfolgen. Bis dahin aber wird auch die jüdische Reaction ihre traurige Thätigkeit fortsetzen können, deren Bilanz

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