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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-02-01 · 2 (2.1901) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
2 (2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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gekommen. In aller Stille, aber auch mit aller Intensität wurde die Arbeit für die Schaffung einer einheitlichen Defensiv-Organisation aller österreichischen Juden, vorerst im Wege des Anschlusses an die „Union", fortgesetzt. In 51 Cultusgemeinden Böhmens wurden Wandervorträge gehalten und von dort bisher ca. 900 neue Mitglieder dem Vereine zugebracht, während 1000—1200 noch weiter in Aussicht stehen. Die Agitation hat nun auch in den Gemeinden Niederösterreichs und in Wien selbst begonnen, wo von Bezirk zu Bezirk Vorträge gehalten werden, und wird sodann in Mähren, Schlesien und Galizien fortgesetzt werden. (Beifall.) Als nächste wichtige Aufgabe des Vereines kennzeichnet der Präsident die Erwerbung des Heimats rechtes für die hier ansässigen, bisher nach Ungarn zuständigen Glaubensgenossen, wodurch tausende neue freisinnige Wähler geschaffen würden, deren Stimmen bei künftigen Wahlen entscheidend werden können. (Lebhafte Zustimmung,) Der Vorstand hat die Etablierung eines eigenen Bureaus für die Durchführung dieser Action beschlossen. Ferner wurde durch eine Eingabe von mehr als 100 Vereinsmitgliedern die Errichtung eines jüdischen Vereinshauses angeregt. Es wurden zu diesem Zwecke zwei Vertrauensmänner-Versammlungen abgehalten, und man dürfe durch das begeisterte Zusammenwirken aller interessierten Kreise mit der Möglichkeit rechnen, dass dieser schöne Plan in absehbarer Zeit seine Verwirklichung finden könne. Die Errichtung eines solchen gemeinsamen jüdischen Heims würde gewiss dazu beitragen, die so nothwendige Einigkeit aller Glaubensgenossen zu fördern. (Lebhafter, allseitiger Beifall.) Nunmehr referierte Herr Bezirksrath Dr. Oscar Hein über das neue Heimatsgesetz. Obwohl Dr. Hein erst in letzter Stunde um die Uebernahme des Referates ersucht worden wrar, bot er dennoch einen abgerundeten und in hohem Masse instructiven Vortrag, in welchem er namentlich die politischen und wirtschaftlichen Momente, welche die Regelung des Heimatsrechtes für jeden Glaubensgenossen zu einem Gebote der Pflicht machen, mit grosser Prägnanz hervorhob. Wir verweisen im übrigen auf die trefflichen Ausführungen aus der Feder des Vortragenden über das neue Heimatsgesetz in unserer heutigen Nummer. Anhaltender Beifall folgte den Auseinandersetzungen des Redners. Sodann berichtete der Leiter des Rechtsschutz-Bureaus Herr Siegfried Fleischer über einige wichtige Fälle, die in jüngster Zeit dieses Bureau beschäftigten. Von hohem Interesse waren insbesondere die Mittheilungen des Redners über die wahren Motive und die wirklichen Thäter des Poluaer Mordes, die in der auswärtigen Presse bereits offen besprochen werden, während wir in Oesterreich unter dem Drucke des Pressgesetzes die Wahrheit noch immer nicht sagen dürfen. Aber mit Zola dürfe man ausrufen: „La verite est en marche!u, das Licht, das im Auslande entzündet wurde, werde früher oder später doch in die dunklen Irrgänge dieses merkwürdigen Strafprocesses hineinleuchten. Bei Besprechung der von der „Union* veranstalteten Wandervorträge zollt Redner der Intelligenz, der Einsicht und Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen in der Provinz rückhaltlose Anerkennung und geisselt dagegen mit scharfen Worten die Indolenz der jüdischen Bevölkerung in der Reichshauptstadt. (Lebhafter Beifall.) Es entwickelt sich nun eine lebhafte Debatte über das neue Heimatsgesetz, in welcher vorerst Herr Dr. Kahn mit zündenden Worten und unter Hinweis auf die Bedeutung des Heimatsrechtes nicht bloss für die politischen Wahlen, sondern auch für dasGeschwornenamt die ungarischen Staatsangehörigen zur schleunigen Erwerbung der österreichischen Staatsbürgerschaft aufforderte. Herr Dr. Bloch tadelt es scharf, dass sich die Juden um die Zusammenstellung der Geschwornen-Urliste niemals bekümmerten, so dass sie zuletzt von der Ausübung dieses wichtigen Amtes fast gänzlich auageschlossen waren. Redner sieht voraus, dass das neue

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