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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-02-01 · 2 (2.1901) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
2 (2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Ii Sachen unterstützt wird, dass die clericaie Macht in diesen Jahren einen besonders hohen Aufschwung genommen hat. Kennen wir als hauptsächliche Ursachen der Fälle Araten und Leidensgenossen Uncultur und Clericalismus, so wissen wir auch das Mittel zur Abhilfe: Modernisierung der Verhältnisse in Galizien und in ganz Oesterreich. Nur ein Reich, welches von modernem freiheitlichem Geiste getragen ist, kann einer gesicherten Zukunft entgegensehen, der Staat muss der Träger der Cultur sein. Nur ein starkes und frei es Oesterreich kann uns helfen, sowohl in Fällen Araten, wie in vielen, vielen anderen. (Beifall.) Aber auch betreffs der Juden möchte ich mir eine Bemerkung gestatten. Vor einigen Jahren entstand die zionistische Bewegung, deren Absicht darauf hinausgeht, aus der Religionsgenossenschaft eine nationale zu machen. (Vereinzelte Bravorufe.) Ich verstehe dieses Ziel nicht. (Eine Stimme: Oho!) Das Judenthum hat seit Jahrhunderten eine rein religiöse Grundlage. Wer den Glauben annimmt, ist Jude, das Volksthum ist gleichgültig. Ich verstehe allerdings und billige es, dass sie das Gefühl der Zusammengehörigkeit weckt, die Auswanderung organisiert und dadurch vielen armen jüdischen Auswanderern zugute kommt. Aber hier ist Gelegenheit, zu kämpfen für die jüdische und die menschliche Sache. Im Kampfe gegen die Uncultur und den Servilismus ist das Ziel zu suchen. Math und Ausdauer werden nöthig sein. Der Kampf ist nicht ohne Gefahr; ein uncivilisiertes Volk ist leicht erregbar und fanatisch. Aber der endliche Sieg ist unausbleiblich und es wird ein schöner Sieg sein. Vergessen wir jedoch über dem Allgemeinen das Besondere nicht. Durch die Gründe, welche uns die Fälle erklärt haben, werden sie nicht entschuldigt. Das Unrecht in ihnen bleibt Unrecht, die Gesetzwidrigkeit gesetzwidrig. Cilia Araten hat sich an alle Väter und Mütter gewendet, ich glaube, sie konnte sich an alle Menschen wenden. Ich hoffe, dass Sie ihre Bestrebungen nicht unterbrechen und alle Kräfte anstrengen werden, um den unglücklichen Eltern zu helfen. Es ist ein guter Kampf, ein Kampf um das Recht; wir wollen in ihm nicht erlahmen. Nur der ist verloren, der sich selbst aufgibt. (Stürmischer, anhaltender Beifall). Mittheilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". Die am 24. Jänner im Restaurant K h u n e r stattgefunden Vereins- Versammlung gestaltete sich zu einer überaus gelungenen Improvisation. Wegen plötzlicher Erkrankung des Schriftstellers Herrn Heinrich Glücksmann musste dessen Vortrag*: „Ins neue Jahrhundert" abgesagt werden; das Präsidium entschädigte jedoch das zahlreich erschienene Publicum — darunter auch viele Damen — durch Eröffnung einer sehr angeregten Discussion über eine Reihe actueller Angelegenheiten. Präsident kais. Rath Ruzicka erstattete zunächst einen Bericht über die Wirksamkeit des Vereines in der jüngsten Zeit und über das Thätigkeits-Programm der nächsten Zukunft. Die „Union" führte Redner aus, habe als solche für die Reichsrathswahlen keine Directive gegeben, weil es gerathen schien, vorerst noch die Kräfte für die Zwecke der Verteidigung und Abwehr zu sammeln. Wir weisen entschlossen jeden Angriff auf unsere bürgerlichen Rechte zurück, zu activem Eingreifen in die politischen Parteikämpfe halten wir aber die Zeit noch nicht für

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