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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
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13 um gar nichts Anderes kümmern können. Und dann, wenn man am Abend aus der Fabrik nach Hause kommt, so ist das, wie wenn man ein Pferd oder einen Ochsen aus dem Pflug spannt. Man legt sich hin und denkt an gar nichts!" So ist es auch! Sobald der Körper über ein gewisses Mass angespannt worden ist, ist der Nerv nicht mehr in der Lage zu arbeiten, der Geist nicht mehr im Stande, zu denken. Ich gehe zu einem weiteren glücklichen Fall über. Ein Mädchen, Gelb, war aus dem Kloster der Felicianerinnen entflohen, und-erzählte einer Frau, dass in demselben Kloster zwei andere Mädchen, Lea A 11m ä n n und Franja Leiermann,, seien, welche heraus möchten und sich nicht befreien können. Die Frau verstand es, sich mit den Mädchen ins Einvernehmen zu setzen und es glückte ihr, die Eingeschlossenen zu befreien. Noch 8 jüdische Mädchen — erzählten Beide — werden "gegen ihren Willen im selben Kloster festgehalten und zu schwerer Arbeit gezwungen. Das sind die galizischen Fälle, welche mir aus den letzten zwei Jahren bekannt wurden. Ich füge die Fälle aus Bosnien hinzu, welche sich nicht auf Juden, sondern auf Mohammedaner beziehen. Denn wir bezwecken bei der heutigen Besprechung, wie schon erwähnt, nicht einen Sonderschutz der Juden, sondern das durch das Staatsgrundgesetz gewährleistete Zusammenleben von Angehörigen verschiedener Religionen. In der ungarischen Delegation (Mai 1900) hat Minister v. Kailay diese Fälle zur Sprache gebracht. Ein 14jähriges Mädchen, Fätme Omanovics, wurde von Mostar nach Dalmatien gebracht und dort getauft. Trotz persönlicher Intervention des Ministers konnte sie nicht aufgefunden werden. Der Kreisleiter Baron Pittner hatte sich zuerst wegwerfend über das Mädchen geäussert; endlich versprach er etwas zu thun^ es geschah aber nichts. Einer Deputation von fünfzig angesehenen Mohammedanern wiederholte er seine Zusage, erklärte aber endlich : Die Regierung könne in der Sache nichts thun. Nun gieng die Deputation zum Kaiser. Kaum war sie in ihre Heimat zurückgekehrt, so erfolgte neuerlich der Versuch einer gewaltsamen Taufe. So der Bericht Kailays. Es scheint, dass die öffentliche Besprechung der Angelegenheit in der ungarischen Delegation ihre Wirkung hatte; man hört seitdem nichts mehr über Taufen in Bosnien. Ich schalte deshalb im Folgenden die letzteren Fälle aus und befasse mich lediglich mit den galizischen. Sie enthalten sämmtlich einen gewaltsamen oder listigen Einbruch in den Frieden der Familie und in das Rechtsgebiet des Familienhauptes. Es wäre hier Anlass, über das intime Verhältnis zu sprechen, in welchem der moderne Staat und die moderne Gesellschaft zur Familie stehen. Welche Macht über das Kind, seinen Unterricht und seine Erziehung zum Menschen die Gesellschaft auch unmittelbar in Anspruch nimmt: die Erkenntnis ist in uns allen gefestigt, dass der Friede der Familie, der Einfluss, den das elterliche Haus auf das Kind und den Menschen übt, durch nichts anderes ersetzt werden kann. Freilich wohl, auch wenn dieser Einfluss schlecht ist und das Kind verdirbt, gibt es nichts, das ihn paralysieren könnte. Aber eine solche Ausnahme müsste bewiesen sein, und gerade im Falle Araten, den ich zum Vorbilde nehme, hatte

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