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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 12 (sequence 17)
Language
German
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2 Hause weggeführt. Der Vater erfährt, dass sie beim Pfarrer in Siedliska sei,, der sie aber nicht herausgibt. Alle Bemühungen des Vaters sind vergeblich. Der „Glos Narodu" jubelt über die glückliche Entführung eines Judenmädchens aus dem Hause eines entmenschten Vaters. Das •Regierungsblatt „Gazeta Lwowska" behauptet, dass das Mädchen nicht 14, sondern 18 Jahre alt sei. Ein sechster Fall. Die 17jährige Szalka Sobel in Podgorze ist aus dem Hause ins Felicianerinnenkloster entflohen; als sie im Kloster sieht, wie es dort zugeht, will sie wieder nach Hause. Sie spricht mit der sie suchenden Mutter-,und bittet; sie 'zu befreien. Bisher sind die Bestrebungen vergeblich. Deborah Sattler, 15 Jahre alt, wird von der Pfarrersköchin überredet, flüchtet am 7. Juli 1900 zuerst in den Pfarrhof und wird dann nach Krakau ins Kloster der Felicianerinnen gebracht. Hier finden wir aber ein merkwürdiges Beispiel von thatkräftiger Selbsthilfe. Das Mädchen will wieder zurück, findet Gelegenheit, an ihre Mutter zu schreiben, und bittet sie um Befreiung. Die Mutter kommt, man lässt sie aber nicht ein und die Tochter nicht aus. Da beginnen Beide Lärm zu schlagen. Die Mutter tobt vor der Klosterpforte, die Tochter jammert und schreit im Kloster. Die Nonnen wollen den Scandal vermeiden und so wird das Mädchen freigegeben. Ich führe hier nur Fälle an, welche sich in den letzten zwei Jahren ereigneten, doch kann ich nicht umhin, zur Illustration einen im J? Wiener Tagblatt* am 7. Juli 1900 beschriebenen Fall aus früherer Zeit zu berühren, weil er für die Art und Weise belehrend ist, wie die Mädchen im Kloster behandelt, wie ihnen Wille und Verstand genommen wird. Der Bruder des Mädchens hatte eine Unterredung verlangt, welche ihm auch gewährt wurde. Während der ganzen Zeit blieb eine Nonne an der Schwester Seite, um zu verhindern, dass diese sich beklage. Dort sieht er die Mädchen im Klostergarten, welche nach seinem Bericht mehr herumschleichen als gehen; sie scheinen ihm alle abgehärmt und krank zu sein. Sie haben viel Arbeit und wenig Essen. Nur einmal des Tags kommen sie an die frische Luft. Um 6 Uhr Früh, nach einer Stunde Gebet, erhalten sie ,ein Glas Milch, dann wird bis 12 Uhr; gearbeitet; zu Mittag gibt es nur Gemüse und Brod; dann wird 2,.Stunden gebetet, dann gewaschen und andere schwere Arbeit besorgt bis zum Abend. Das Nachtmahl besteht wieder aus Milch und Bro.d. So siechen sie dahin — schliesst der Bericnt — bis sie „fromm genug sind, um an einen Schwachkopf verheiratet, oder einem Pfaffen als Wirtschafterin zugesellt zu werden." Ein derartiges Leben ist thatsächlich im Stande, einem Menschen die Fähigkeit des Denkens zu nehmen und ihn zu einer willenlosen Maschine zu machen. Ich kann hiefür ein Beispiel erzählen, das mir von der Frauenenquete in Erinnerung ist. Eine baumstarke Frau, welche Männerarbeit verrichtete, aber die Hälfte des Lohnes bekam, den ein Mann für dieselbe Arbeit erhält, wurde vom Herrn aus irgend welchem Grund entlassen und bekam dann sofort einen besseren Posten. Wir fragten sie, warum sie sich nicht schon früher um eine lohnendere Beschäftigung beworben hätte, und sie erwiderte uns wörtlich: „Mein Mann war krank und da habe ich mich

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