Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 1 (1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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10 die Gräfin P o t o e k a gelangen liess mit der flehentlichen Bitte, sie ihrem Elternhause wiederzugeben." Ich füge aus einem zweiten Bericht hinzu, dass Michalina Araten in die verschiedenen Klöster Binczice, Morawiee, Wolajustowska, Kentj, Wielowies geführt, dass sie dort überall gesucht, und, sobald man sie fand, in ein anderes Kloster gebracht wurde. Die Behörden, an die man sich um Hilfe wandte, verweigerten sie. Nur ein Mann, der Bürgermeister von Kenty, wollte der Gerechtigkeit seinen Arm leihen und int Kloster eine Hausdurchsuchung vornehmen. Man klagte ihn wegen Hausfriedensbruchs an und er wurde in erster Instanz wirklich zu zehn Tagen Arrest verurtheilt. Die zweite Instanz hob das Urtheil allerdings wieder auf. Aber welche Abschreckung für Alle, die es etwa noch gelüsten wollte, gegen das Kloster vorzugehen! (Vorlesend): „Einsehend, dass ich bei den Localbehörden keinen Rechtsschutz finde, nahm ich am 4. Februar Audienz bei Sr. Excellenz, dem Herrn Justizminister, dessen Antwort lautete : „Fahren Sie nachhause, das Kind soll Ihnen zurückgegeben werden.* Se. Excellenz der Herr Ministerpräsident erwidert auf meine Bitte um Schutz : „Sie verdienen es, es gebührt Ihnen!" Der Herr Justizminister beauftragte die k. k. Oberstaatsanwaltschaft Krakau telegraphisch, mir weitestgehenden Schutz zu gewähren. Die Rathskammer unter Vorsitz des Präsidenten Moralewski verweigerte die Ausführung dieses Befehles, ebenso wie die seitens des Justizministers verlangte Revision des Klosters der Felicianerinnen. Meinem Rechtsanwalt wird die Einsichtnahme in die Protokolle verweigert. Se. Excellenz der Minister für Galizien, Dr. Pientak erwiderte mir am 14. Februar in Gegenwart des Reichsrathsabgeordneten Hofrath Kar eis: ,An den Mauern des Klosters hat die weltliche Macht ein Ende." In einem ergreifenden Schlussworte fleht Araten um Erhörung seiner Bitte. Sie wurde ihm zutheil. Der Kaiser erwiderte: Ich werde neue Weisungen an die Behörden ergehen lassen, damit diese ihre Pflicht und Schuldigkeit thun." Wenige Stunden nachher waren auch diese Weisungen bereits ergangen. Ein Kaiserwort war ergangen! Und als Araten beim Gericht um Beistand ansuchte, wurde ihm entgegnet: „Gehen Sie zum Staatsanwalt! Er soll einen Antrag stellen, unsere Sache wird es sein, den Antrag ebenso zu verwerfen, wie dies in Krakau geschehen ist." Nach einem Kaiserwort! Noch einmal nahm sich der Ministerpräsident der Sache an, aber der Erfolg ist derselbe geblieben. Noch ist Michalina Araten im Kloster, unbekannten Aufenthaltes. Ihre unglückliche Mutter hat einen offenen Brief an ein polnisches Blatt, den „Slowo polski", geschrieben, von dem ich einige Sätze mittheile : „O, möge meine Stimme die Herzen aller Väter und Mütter rühren! Vielleicht weiss Jemand oder könnte Jemand erfahren, welchem Schicksal meine unglückliche Tochter anheimgefallen, dann möge er mich erfreuen und mir Kunde thun, ob sie noch lebt. Und wenn — ich schreibe es mit zitternder Hand — wenn Jemand hörte, dass sie nicht mehr unter den Lebenden sei, so möge er mir wenigstens zeigen, wo die Unglückliche bestattet ist* Das ist der Fall A rate n.