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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 9 (sequence 14)
Language
German
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9 (Vorlesend) : „Auf meine zweite Eingabe, dass mir gestattet werde, sie zu sprechen, wurde mir ein Polizeicommissär zur Begleitung ins Kloster mitgegeben. Ich blieb im Corridor, während mein Vater Markus Araten sich mit dem Commissär ins Innere begab. Die Schwester Marie Rosalie erwiderte dem Letzteren, Michalina sei krank und könne nicht vorgeführt werden. Als ihr der Commissär mittheilte, dass die Mutter sie vor ihrem Tode wiederzusehen wünsche, erwiderte sie: Sie wird sie im Himmel wiedersehen." — Eine feinfühlige Seele, nicht wahr?. Die Mutter ist, sterbenskrank, .sie will ihre Tochter sehen; der Arzt erklärt das Wiedersehen für eine Bedingung, ein wesentliches Mittel zu. ihrer Genesung, und die Verkünderin der Religion der Liebe verweist sie auf den Himmel, dasheisst auf den Tod, (Lebhafte Bewegung.) , (Vorlesend): „Der;auf meine - Veranlassung zur Untersuchung gesendete Gerichtsarzt Dr. F i 1 i ra o w s k i erklärte, dass er meine Tochter völlig gesund befunden habe. Ich richtete eine dritte Eingabe an die Polizei um die Erlaubnis,'meine Tochter zu sehen, welche abgewiesen wurde, weil sie krank sei. Ich veranlasste eine Untersuchung durch Professor Zulawski, welcher wieder die völlige Grundlosigkeit der Behauptung constatiert. Ich richtete eine . weitere Eingabe an die Polizei, mein Kind sehen zu dürfen, und wartete endlich am >0. Jänner im Corridor des Klosters in Begleitung des Commissärs. Auf seih Verlangen der Vorführung antwortete ihm'dieselbe Nonne : In sieben Tagen wird er sie sehen können. Der Commissär machte sie auf das Gesetzwidrige ihres Vorgehens aufmerksam, da das Kind noch nicht 14 Jahre alt sei und durch die Behörde ans dem Kloster ins Elternhaus zurückgestellt werden müsse. Darauf antwortete Schwester Marie Rosalie. dass sie " sich beim Gerichte um die Verzögerung der Angelegenheit bemühen werde, bis das Kind das Alter von 14 Jahren erreicht haben .werde; in zw i s chen werde dasselbe w e g g e f ü h r t werden. Diese Antwort ist von dem Commissär auch zu Protokoll genommen worden. Als mir, der ich im Corridor wartete, dies mitgetheilt wurde, fiellch in Ohnmacht. Man rief mich ins Bewusstsein zurück, und die Schwester sagte :„Das ist ein Fingerzeig Gottes." Erlassen Sie mir, geehrte Anwesende, das Urtheil über diese Aeusserung angesichts eines Vaters, der vor Schmerz zusammengesunken ist Das Wort, das allein zutreffend wäre, darf doch nicht gesagt weiden. (Beifall.) (Vorlesend):. „Als ich am 29. Jänner mich bei der Polizei einfand, meldete die Schwester Marie R o s a 1 i a, "dass das Kind vor zwei Tagen aus dem Kloster entkommen sei, man wisse nicht wohin. Die Unwahrheit dieser an sich unmöglichen. Behauptung stellte sich später heraus. Meine Tochter. war von zwe*i Felician,erinnen, von denen die eine Isidora heisst, entführt und in die Filiale Lagiewski gebracht worden.'4 Ich füge hinzu, dass dies wahrscheinlich unter Begünstigung der Gräfin Tarnowska, welche die Gutsherrin des Ortes ist, geschah. Die Gräfin hatte auch die kleine Araten im Kloster aufgesucht und ihr Süssigkeiten und Blumen gebracht. Man. kann sich vorstellen, welchen Eindruck auf-die Phantasie eines 13jährigen Mädchens diese Güte einer hochgräfiichen Gnaden machen musste. Es ist eines der Mittel, welche bei einem Kinde selten ihren Zweck verfehlen. (Vorlesend) :• „Ihre Anwesenheit ist durch die Gendarmerie constatiert worden, ohne dass sich dieselbe bei Mangel eines Auftrages zum Einschreiten berechtigt wissen wollte. Sobald ihr Aufenthalt ausgeforscht war, verschwand sie von dort, und es ist constatiert, dass sie aus einer Ortschaft bei Mielec erst vor einigen Tagen einen Brief an

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